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Flüchtlinge in Hamburg : Landauf, landab, Land unter

Wahrung der Privatsphäre?

Journalisten dürfen weder die Container noch die Zelte besichtigen. Wer darum bittet, wird per Standardbrief darauf hingewiesen, dass die Bewohner der Unterkünfte „wie alle anderen Menschen auch einen Anspruch auf Wahrung der Privatsphäre“ hätten – als würde es dort eine Privatsphäre noch geben können. Den Rest erledigen die Männer vom Wachschutz, manchmal freundlich, manchmal weniger freundlich. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.

Freilich gibt es dafür einen schlagenden Grund: die schiere Zahl und die damit verbundene Überforderung der Behörden. Im ersten Halbjahr mussten 5725 Flüchtlinge in der Stadt untergebracht werden. Das waren so viele wie im ganzen Jahr 2014. Allein im Juni kamen 1400. Deshalb ist über Nacht in der Dratelnstraße das Containerdorf noch um ein riesiges Zeltlager erweitert worden. Bis vor wenigen Wochen ging es nur darum, irgendwie Unterkünfte für die Flüchtlinge zu finden, etwa in Hotels. Dann war auch das ausgeschöpft. Es folgten die Container. Jetzt helfen nur noch Zelte, eine Übergangslösung, die nur bis zum Herbst gelten kann.

Bundeswehr soll helfen

Im Jenfelder Moorpark liefen am Mittwochmittag noch die Aufbauarbeiten, am frühen Abend waren die ersten Flüchtlinge dort. Sie schlafen auf Feldbetten, 16 Menschen in einem Zelt, mit sanitären Anlagen, die in einem Container eingerichtet sind. Der Zaun ist notdürftig mit einem Sichtschutz versehen. Jenfeld hat es in Hamburg in die Schlagzeilen geschafft, weil niemand im Viertel etwas davon ahnte, dass plötzlich im Park eine Flüchtlingsunterkunft entstehen sollte.

Als die Nachbarn das mitbekamen, versuchten sie zunächst, den Zeltaufbau zu verhindern. Dann erst kam es zu einer Bürgerversammlung. In Othmarschen immerhin hatte das Bezirksamt Altona noch vor Baubeginn zur Informationsveranstaltung eingeladen, unter anderem soll auf der sogenannten Zirkusfläche Holmbrook eine Unterkunft für 250 bis 300 Flüchtlinge geschaffen werden. Die Lage wird noch erschwert, weil einige Einrichtungen im Hamburger Umland wegen Masern geschlossen werden mussten.

Hinzu kommt die Urlaubszeit. Und außerdem: Zelte und Container sind inzwischen knapp geworden. Jetzt soll in Hamburg die Bundeswehr mit Zelten helfen. Es liefen Gespräche mit dem Landeskommando Hamburg, hieß es aus der Innenbehörde.

Solidarität der Hamburger

„Selbst wenn es erst einmal nicht so komfortabel ist, die Leute haben es in Deutschland besser“, sagt der Mann, der Rober begleitete. Auch erleben die Flüchtlinge die Solidarität der Hamburger. Immer wieder fahren Autos in der Dratelnstraße vor, die Kleidung bringen. Christine Witte wird mit ihrem vollbeladenen Pkw bis zur Kleiderkammer durchgelassen. „Wir kennen eine Studentin, die derzeit in der Kleiderkammer der Erstaufnahme arbeitet, und die hat uns erzählt, was alles fehlt. Da haben wir bei uns in der Firma gesammelt. Nachher kommt noch eine Ladung.“

Als ihr Auto vor der Kleiderkammer steht, ist es sogleich von Bewohnern umlagert. Der Wachschutz schreitet ein. Cassel vom Stadtteilbeirat sagt: „Hier hat es noch nie einen größeren Zwischenfall gegeben.“

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