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Zeuge über Stephan B. : „Ich habe ihn schon für eine Bedrohung gehalten“

  • Aktualisiert am

Stephan B. am Mittwoch im Gerichtssaal in Magdeburg Bild: Reuters

Ein Zeuge, der der Familie von Stephan B. nahe stehen will, berichtet, B. habe in einem Supermarkt einmal zwei Menschen angebrüllt, weil sie sich nicht auf Deutsch unterhalten hätten. Ein anderes Mal habe er sich antisemitisch geäußert.

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          Im Prozess zum Terroranschlag von Halle hat ein Zeuge von Vorfällen berichtet, bei denen der Angeklagte schon früher seine rechtsextreme Einstellung kundgetan haben soll. So habe der heute 28 Jahre alte Mann im Supermarkt einmal zwei Menschen angebrüllt, weil sich diese nicht auf Deutsch unterhalten hätten. Ein anderes Mal habe sich Stephan B. antisemitisch geäußert, schilderte der 31 Jahre alte Zeuge am Mittwoch im Prozess vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Nach eigenen Angaben war der Zeuge jahrelang mit der Halbschwester des Angeklagten liiert, hat ein Kind mit ihr und ist dadurch eng mit der Familie verbunden.

          Als die Richterin den Zeugen fragte, ob er Angst vor Stephan B. gehabt habe, antwortete er laut „Mitteldeutscher Zeitung“: „Angst nicht, aber ich habe ihn schon für eine Bedrohung gehalten“,

          Der Prozess läuft seit Dienstag vergangener Woche. Das Gericht wich für die Verhandlung in die Räume des Landgerichts Magdeburg aus, weil dort ein größerer Verhandlungssaal zur Verfügung steht. Die Bundesanwaltschaft wirft B. 13 Straftaten vor, darunter Mord und versuchten Mord.

          Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn unter anderem eingestanden, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort möglichst viele Juden zu ermorden. In dem Gotteshaus feierten zu dem Zeitpunkt 52 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Der Angeklagte scheiterte an der Tür der Synagoge und erschoss daraufhin eine 40 Jahre alte Passantin. Später erschoss er in einem Dönerimbiss einen 20 Jahre alten Gast.

          Der Bekannte der Familie des Angeklagten berichtete vor Gericht von regelmäßigen gemeinsamen Essen. Daran hätten neben dem Beschuldigten auch immer die Eltern teilgenommen, die trotz ihrer Scheidung ein gutes Verhältnis zueinander hätten. Mutter und Vater hätten immer viel gearbeitet und seien gestresst gewesen, so der Zeuge. Gleichwohl hätten diese für ihre beiden Kinder immer Zeit gehabt. Der Angeklagte selbst sei ein Einzelgänger gewesen.

          Die Eltern und die Halbschwester des Angeklagten hatten zuvor von ihren Zeugnisverweigerungsrechten Gebrauch gemacht. Der Vater nickte seinem Sohn kurz zu, die Halbschwester wich den Blicken des Angeklagten aus. Ein Anwalt der Nebenklage versuchte, die Halbschwester, welche die gleiche Mutter hat wie der Angeklagte, davon zu überzeugen, auszusagen. Die Richterin unterband das. Im Anschluss sollten der frühere Freund der Schwester sowie ehemalige Mitschüler und Lehrer des Angeklagten vernommen werden.

          Der Beschuldigte hatte an den ersten drei Prozesstagen immer wieder betont, seine Familie habe nichts mit dem Anschlag zu tun, sie habe von seiner Radikalisierung und seiner Bewaffnung nichts gewusst. Die Nebenklage bezweifelt, dass Verwandte und Bekannte des Angeklagten nichts von dessen rechtsextremem Weltbild gewusst haben. Auch dass die Eltern nicht bemerkt haben, dass der Mann seit Jahren Waffen in seinem Kinderzimmer lagerte, bezweifeln die Vertreter der Nebenklage. Zudem sollten am Mittwoch noch frühere Mitschüler und Lehrer des Angeklagten gehört werden.

          Die Karte zeigt die Stationen des Attentäters von Halle.
          Die Karte zeigt die Stationen des Attentäters von Halle. : Bild: F.A.Z.

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