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Halle-Prozess gegen Stephan B. : Der Attentäter aus dem Kinderzimmer

  • -Aktualisiert am

Prozessauftakt in Magdeburg: Stephan B. wird am 21. Juli 2020 in den Verhandlungssaal geführt. Bild: Jens Gyarmaty

Am ersten Tag des Prozesses gegen den Attentäter von Halle offenbart der Angeklagte Stephan B. seine rassistische, aber auch kindliche Weltauffassung. Es kommt zu merkwürdigen Szenen.

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          Die Richterin versteht es nicht. Gerade hat Stephan B. gesagt, dass er gegen „Araber“ und „Muslime“ vorgehen müsse, weil Personen wie er aus der Gesellschaft rutschten, wenn Flüchtlinge ins Land kämen. Die Richterin antwortet: Er sei doch vorher schon aus der Gesellschaft raus gewesen. Er habe keine Pläne gehabt, keine Ziele. Das habe doch nichts mit den Flüchtlingen zu tun gehabt. Zuvor hatte Stephan B. gesagt, dass ihn die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 radikalisiert habe. Und schon da hielt die Richterin dagegen: Für ihn habe sich doch in seinem kleinen Ort nahe Halle nichts geändert. Er habe vor seinem Computer gesessen, die Mutter im Nebenzimmer. Aber Stephan B. spricht von „Feinden“ und „Kampf“.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Es ist ein besonderer Prozess, der am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Naumburg begonnen hat. Es geht um die Aufklärung eines der schwersten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte. Aus Sicherheitsgründen und weil das Interesse an dem Prozess so groß ist, findet er im Landgericht Magdeburg statt.

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