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Anlaufstelle für Asylbewerber : Wachpersonal griff Flüchtlinge an

  • Aktualisiert am

Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt Bild: dpa

In einer Anlaufstelle für Geflüchtete haben Wachleute Asylbewerber attackiert. Das zeigen zwei Videosequenzen. Das Innenministerium in Sachsen-Anhalt will den Fall lückenlos aufarbeiten.

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          In einer Zentralen Anlaufstelle für Geflüchtete (Zast) in Sachsen-Anhalt ist es zu Übergriffen von Mitarbeitern des privaten Wachdienstes auf Asylsuchende gekommen. Das teilte das Landesinnenministerium am Freitag in Magdeburg mit.

          Auf zwei bei Youtube hochgeladenen kurzen Videos ist demnach zu sehen, wie Wachleute in Halberstadt zwei streitende Flüchtlinge trennen und dabei zu Boden stoßen und treten sowie einen danach auch weiter drangsalieren. Die Videosequenzen sind mit dem Datum des 14. April versehen. Das Ministerium hat von dem Vorgang nach eigenen Angaben am Freitagvormittag erfahren.

          Die vier beteiligten Wachleute sind nach Angaben des Innenministers von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU), sofort suspendiert worden. Gegen weitere Wachmänner, die das Geschehen laut Video tatenlos verfolgt haben, werde ebenfalls ermittelt. Laut Stahlknecht wurde damit begonnen, eine Ermittlungsgruppe einzurichten, um den Vorgang lückenlos aufzuklären. „Es gibt Dinge, die gehen überhaupt nicht. Punkt“, sagte Stahlknecht. Die beiden Sequenzen müssten nun gesichert, ausgewertet und bewertet werden. Außerdem sei zu prüfen, ob es in der Vergangenheit zu ähnlich gelagerten Vorfällen in der Zast gekommen sein könnte. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Beihilfe durch Unterlassen.

          Wer die Sequenzen auf der Videoplattform Youtube hochgeladen hat, war zunächst unklar. Aufgenommen wurde das Video laut Ministerium aus dem Obergeschoss eines Hauses der Einrichtung, wo es Unterkünfte für Geflüchtete gibt. Wer die beiden Asylbewerber sind, ist laut Innenministerium noch Gegenstand der Ermittlungen. Über ihren Verbleib ist bislang nichts bekannt.

          Die in Sachsen-Anhalt mitregierenden Grünen forderten eine lückenlose Aufklärung. „Übergriffe auf bei uns Schutz suchende Menschen sind absolut inakzeptabel“, sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Sebastian Striegel. Neben den bereits eingeleiteten Schritten müsse geprüft werden, „ob Kriterien der Zuverlässigkeitsüberprüfungen sowohl für das Personal als auch für die in der Zast eingesetzten Unternehmen ausreichend sind und beachtet wurden“.

          Aktuell befinden sich laut Ministerium weniger als 1000 Asylsuchende in der Erstaufnahmestelle. Pro Schicht seien zehn Wachmänner anwesend – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Die betroffene Sicherheitsfirma ist den Angaben zufolge seit Dezember 2017 in der Zast im Einsatz, nachdem sich in einem europaweiten Vergabeverfahren durchgesetzt hatte.

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