https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/haertere-strafen-gegen-missbrauch-den-sumpf-austrocknen-16810908.html

Kindesmissbrauch : Mehr Licht in das Darknet

Tatort in Münster? Die Laube. Bild: dpa

Wegsperren für immer? Das ist jetzt schon möglich. Härtere Strafen allein werden also nicht helfen. Die Ermittler brauchen mehr Befugnisse im Netz, um den Sumpf auszutrocknen.

          1 Min.

          Wegsperren – und zwar für immer. Das war eine Boulevard-Forderung des Basta-Kanzlers Gerhard Schröder (SPD). Der CDU-Innenminister von Nordrhein-Westfalen haut nun in dieselbe Kerbe: Kindesmissbrauch ist für ihn wie Mord.

          Und Mord wird mit lebenslanger Haft bestraft. Das ließ offenbar auch die Bundesjustizministerin nicht unbeeindruckt, die sich zuvor skeptisch gezeigt hatte, ob Missbrauch als Verbrechen einzustufen, also mit mindestens einem Jahr Gefängnis zu ahnden sei.

          Die entscheidende Frage ist freilich: Wodurch werden Kinder am besten geschützt? Seit jeher konnten Täter, die sich an Kindern vergehen, soweit von ihnen weiter eine Gefahr ausging, für immer „weggeschlossen“ werden. Lassen sich jene furchtbaren Netzwerke durch höhere Strafen zerschlagen? Es kann jedenfalls nicht sein, dass ein mehrfach vorbestrafter Täter weiterhin sein Unwesen treiben kann.

          Andererseits muss eine Neufassung genug Spielraum für die Bestrafung milder Fälle lassen. Das gilt auch für den Besitz kinderpornographischen Materials, der in digitalen Zeiten schnell vollendet ist und auch fingiert werden kann; schon Ermittlungen können da den sozialen Tod bedeuten. Aber zweifellos ist die Nachfrage nach diesen fürchterlichen Taten zu stoppen. Der Sumpf muss trockengelegt werden.

          Wenn der Aufklärung und auch der abschreckenden Wirkung von Strafen auf triebgesteuerte Täter Grenzen gesetzt sind, so muss doch eine effektive Verfolgung möglich sein. Mehr Licht in das Darknet! Hier sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Zwar hat über die Jahre nahezu jedes öffentlichkeitswirksame Verbrechen neue Vorschläge und Verschärfungen nach sich gezogen, und doch nehmen die Missbrauchszahlen zu.

          Das Internet spielt eine entscheidende Rolle. Zugleich werden Kinder meist im sozialen Nahbereich Opfer solcher Straftaten. Schon hier muss Prävention ansetzen. Der Wettbewerb um die beste Reaktion und die Forderung nach noch einem runden Tisch sind verständlich – sie sollten aber auch wirksame Ergebnisse haben. Für die Kinder.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva am 30. Januar in Brasilia.

          Der Kanzler in Südamerika : Scholz erlebt die neue Realität

          Bundeskanzler Scholz bekommt in Südamerika wenig Unterstützung für seine Politik im Ukrainekrieg. Trotzdem war seine Reise richtig, Deutschland braucht neue Partner.
          Der Fahrer eines Gabelstaplers belädt im Berliner Depot der Hans Engelke Energie OHG einen Tanklaster mit Pellets.

          Öl- und Pellethilfen : „Berlin hat seine Hausaufgaben schnell gemacht“

          Die vom Bund angekündigten Härtefallhilfen sind noch immer nicht umgesetzt. Betriebe befürchten, dass sie leer ausgehen. Das Land Berlin hat jetzt ein eigenes Programm für Eigentümer einer Öl- oder Holzpelletheizung gestartet.
          SPD-Landesvorsitzende in Hessen und Bundesinnenministerin: Nancy Faeser

          SPD-Spitzenkandidatur : Faesers doppelbödiger Amtsbonus

          Die Bundesinnenministerin will offenbar im Amt bleiben, wenn sie als SPD-Spitzenkandidatin in Hessen die Wahl verliert. Das wird gerne als rosinenpickende Sesselkleberei kritisiert und mit Norbert Röttgen verglichen. Aber der Vergleich hinkt.
          Blick auf das schwäbische Waldburg, rund 20 Minuten entfernt von Ravensburg

          Die Karrierefrage : Lohnt sich eine Stelle in der Provinz?

          Die Gehälter sind oft niedriger, die Fahrzeit in die nächste große Stadt dafür umso höher: Arbeitsplätze in ländlichen Regionen genießen keinen guten Ruf. Dabei haben sie einiges für sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.