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Haderthauer stürzt über Modellauto-Affäre : Von Wowereit lernen, heißt Rücktritt lernen

Bild: dpa

Seit mehr als einem Jahr sind die Vorwürfe gegen Christine Haderthauer in der sogenannten Modellauto-Affäre bekannt. Die Gründe, die Bayerns Staatkanzleichefin nun für ihren Rücktritt nennt, lesen sich da wie Hohn.

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          Wie Berlins Regierender Bürgermeister hat Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer einen Zeitpunkt für ihren längst fälligen Abgang gewählt, der ihr nicht durch neue Enthüllungen diktiert wurde. Seit Tagen war es ruhig gewesen in jener bizarren Modellauto-Affäre, die in der Liste der unappetitlichsten Skandale der vergangenen Jahre zu Recht einen Spitzenplatz einnimmt.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Die Rücktrittserklärung der ehrgeizigen CSU-Politikerin liest sich wie Hohn angesichts der seit mehr als einem Jahr bekannten Vorwürfe. Sie brauche jetzt „Kraft und Konzentration“, um sich der juristischen Verteidigung gegenüber dem Betrugsverdacht der Staatsanwaltschaft zu widmen. Auch das zuvor geführte „freundschaftliche Gespräch“ mit ihrem einstigen Förderer Horst Seehofer dürfte mit dem freundschaftlichen Rat des Ministerpräsidenten geendet haben, dass nun seine Geduld am Ende sei.

          Auch ein so begnadeter Dialektiker wie Seehofer, der innerhalb weniger Wochen schwarz zu weiß erklären kann, war mit der Verteidigung Haderthauers an seine Grenzen gelangt. Ein Geschäftsmodell, in dem ein psychisch kranker Straftäter und dreifacher Mörder im Auftrag der Firma des Ehepaars Haderhauer nicht mal für einen Mindestlohn sündhaft teure Modellautos bastelt, lässt sich beim besten Willen nicht als karitative therapeutische Maßnahme verkaufen.

          Horst Seehofer war es wohl selber peinlich, als seine politische Allzweckwaffe Haderthauer ohne sein Wissen öffentlich diese Verteidigungslinie wählte. Seine ganze Kraft und Konzentration wird Seehofer nun dem Kampf um die Maut widmen können.

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