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Kommentar : Im Darknet internationaler Politik

Das Darknet internationaler Politik brütet hässliche Wesen aus. Bild: dpa

Es ist kein Zufall, dass Kanzlerin Merkel im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Router Russland erwähnt. Die Cyber-Attacken hatten zuletzt Amerika zum Ziel, bald vielleicht auch den deutschen Wahlkampf.

          Der Angriff auf DSL-Router soll zwar in aller Welt erfolgt sein, getroffen hat er aber vor allem die Kunden der Deutschen Telekom. Knapp eine Million Geräte waren von dem Hackerangriff betroffen, der wesentlich folgenreicher gewesen wäre, wenn die eingespeiste schadhafte Software noch besser programmiert worden wäre. Dann hätte sie sich in den Routern unbemerkt festgeschrieben – als Ausgangspunkt eines Angriffs noch ganz anderer Größenordnung. Es ist ein schwacher Trost, dass dieser mutmaßliche Plan nicht aufgegangen ist und der Spuk schon nach wenigen Stunden vorbei war. Es bleibt das Gefühl, solchen Attacken nicht allzu viel entgegensetzen zu können.

          Angesichts der Vielzahl täglicher Cyber-Angriffe, die gar nicht publik werden, abgewehrt werden können und Munition sind für die Perfektionierung von Sicherheitssystemen, ist zu Hysterie zwar kein Anlass. Für die Sicherheitsstrategie der Bundesregierung ist es gleichzeitig aber ein Fingerzeig, wie schwierig es ist, die „kritische Infrastruktur“ – Krankenhäuser, Wasserwerke, Kraftwerke, Stromnetze – verlässlich zu schützen, wenn schon die Telekom damit Probleme hat. „Man muss nur wissen, dass es so etwas gibt, und lernen, damit zu leben“, sagt die Bundeskanzlerin. Damit empfiehlt sie den Bürgern eine gewisse Souveränität im Umgang mit dem Ausfall von Telekommunikation, Internet und angeschlossenen Funktionen. Bedeutet „damit leben“ aber nicht gerade einen Verlust ebendieser Souveränität und einen Verlust der Freiheit, unabhängig von Technik selbst zu bestimmen, wie man lebt? Die „Daseinsvorsorge“, die all die Funktionen umfasst, deren Vorhaltung jeden Einzelnen überfordern würde, wurde einmal erfunden, um diese Freiheit staatlich jederzeit und überall zu gewährleisten. Da sie nun auch am „digitalen Tropf“ hängt, fragt es sich, ob das noch möglich ist.

          Seit dem Cyber-Angriff auf Estland von 2007 steht fest, dass es sich um einen der empfindlichsten Angriffspunkte der freien Welt handelt. Er bietet zudem die Möglichkeit für „hybride Auseinandersetzungen“, die Merkel anlässlich des Router-Angriffs nicht umsonst mit Russland – sie hätte auch China nennen können – in Verbindung brachte. Das Darknet internationaler Politik brütet jedenfalls ein recht hässliches Wesen aus. Zuletzt kreuzte es im amerikanischen Wahlkampf auf. Bald vielleicht auch – nach dem Cyber-Angriff auf den Bundestag – im deutschen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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