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Deutschlandpolitik : Die späte Selbstkritik der Grünen

Bis auf Weiteres kein Straßenbau mehr in Deutschland? Protest am Dannenröder Forst gegen die A 49. Bild: dpa

Die Grünen-Vorsitzenden rechnen mit der deutschlandpolitischen Irrfahrt ihrer Partei vor dreißig Jahren ab. Das ist aber kein Zeichen eines neuen Nationalbewusstseins. Sondern nur ein Umweg zur Macht.

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          Die Abrechnung der beiden Grünen-Vorsitzenden mit der deutschlandpolitischen Irrfahrt der Grünen vor dreißig Jahren ist bemerkenswert. So viel Selbstkritik sucht man bei SPD und Linkspartei vergebens, was wohl auch daran liegt, dass die beiden Konkurrenten der Grünen nicht in den Verdacht geraten wollen, der damaligen CDU/CSU nachträglich recht zu geben.

          Baerbock und Habeck hingegen attestieren ihrer eigenen Partei, damals nicht zu dem Aufbruch fähig gewesen zu sein, den sie jetzt im Zeichen von Klimakrise und Verkehrswende den Deutschen abverlangen wollen. Dass sie dabei eine gemeinsame Grundlage mit CDU/CSU finden, ist ein willkommener Nebeneffekt ihrer kritischen Vergangenheitsbewältigung.

          Täuschen sollte man sich allerdings nicht: Nationalbewusstsein, das die westdeutschen Grünen damals vor Sympathie gegenüber einer linken Diktatur bewahrt hätte, ist es sicher nicht, was die Vorsitzenden im Auge haben. Ebenso wenig ist es die Immunisierung ihrer Partei gegen Ideologie.

          Da ihnen „Fridays for Future“ im Nacken sitzt, lassen sie sich auch heute wieder zu Rigorismus hinreißen. Jüngstes Beispiel: Keine neuen Bundesstraßen und Autobahnen! So wollen die Grünen doch noch den „Dannenröder Forst“ retten. Da sie das Projekt mitverantwortet haben, muss man sagen: Das kommt ein bisschen spät. Mit dem Wort zur deutschen Einheit ist es nicht anders: Es ist eine Umgehungsstraße zur Regierungsmacht.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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