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Corona-Sachverständigenrat : Politik ohne Daten

  • -Aktualisiert am

Masken, Trennwände, Zugangsbeschränkungen: Was etwas gebracht hat, ist schwer zu sagen. Bild: Lucas Bäuml

In nur wenigen Wochen sollte ein Sachverständigenrat die Wirksamkeit der Corona-Maßnahmen bewerten. Das Ergebnis ist wissenschaftlich kümmerlich. Das liegt auch an schweren Versäumnissen des RKI.

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          Christian Drosten hatte Recht, als er den Sachverständigenrat im April resigniert verließ. Früh hatte Deutschlands bekanntester Virologe erkannt, dass dem Gremium wesentliche Voraussetzungen fehlten, um die Wirksamkeit der seit März 2020 ergriffenen Corona-Maßnahmen wissenschaftlich fundiert zu beurteilen. Zu wenig Personal und dazu fehlende Expertise. Weder Epidemiologen noch Statistiker waren berufen worden. Zudem entschieden Bundestag und Bundesregierung auch nach politischen Kriterien, wen sie in das Gremium schickten.

          Es ist entlarvend, dass nun die Mitglieder selbst in ihrem Gutachten die Kritik Drostens bestätigen. Zu vielen von Bund und Ländern verhängten Maßnahmen konnte der Sachverständigenrat schlicht nicht sagen, ob sie wirksam bei der Eindämmung des Virus waren und immer noch sind. Denn dem Gremium fehlten die notwendigen Daten über Verlauf und Auswirkungen der Pandemie für das Gesundheitswesen.

          Angela Merkel darf sich bestätigt sehen

          Es ist nicht nur „unglücklich“, wie es im Gutachten heißt, sondern ein schweres Versäumnis des zuständigen Robert-Koch-Instituts und der Politik, dass auch nach zwei Jahren Corona eine „katastrophale Datenlage“ herrscht. Besonders bitter stößt auf, dass über die Wirksamkeit der Schließung von Schulen und Kitas kein Urteil gefällt werden konnte. Eine Maßnahme mit gravierenden psychosozialen Folgen für viele Kinder und ihre Familien. Womöglich hätte ein Blick nach Frankreich oder der Schweiz geholfen, wo die Schulen offen blieben.

          Bestätigt darf sich Angela Merkel fühlen. Der Lockdown hat sich zumindest in der Anfangsphase der Pandemie als wirkungsvoll erwiesen. Aber es gilt auch: Jede Maßnahme hat ihre Zeit. Für den Herbst heißt das für die Politik: Die Immunitätslücke bei den vulnerablen Gruppen muss endlich durch eine effiziente Impfkampagne geschlossen werden. Und Masken in Innenräumen könnten wieder zum Alltag in Büros, Restaurants und Geschäften gehören. Es wird spannend, wie die FDP mit dieser Empfehlung umgeht.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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