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Gutachten : Unzureichender Brandschutz bei Stuttgart 21

Am Stuttgarter Hauptbahnhof: Kritiker fordern ein überzeugendes Brandschutzkonzept
          2 Min.

          Dem Verkehrsprojekt Stuttgart 21 droht möglicherweise eine ähnliche Diskussion über einen unzureichenden Brandschutz wie dem neuen Berliner Flughafen. Das geht aus einem im Auftrag der Bahn angefertigten Gutachten der Schweizer Gruner AG hervor. Nach Aussage der Gutachter ist das vorläufige Brandschutzkonzept für die langen Tunnels in den Osten der Stadt und zum Flughafen auf der Filderhochebene im Süden nicht genehmigungsfähig.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Für die Tunnelstrecken liege „kein gesamthaftes und genehmigungsfähiges“ Brandschutz- und Entrauchungskonzept vor, heißt es in der Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt. Kritisiert werden auch die Entrauchungseinrichtungen im geplanten neuen Tiefbahnhof. Es sei nicht auszuschließen, dass aus dem künftigen Bahnhof vor einem Brand flüchtende Menschen kontaminierte Luft einatmen müssten, schreiben die Gutachter. Sie regen an, zusätzliche Fluchttreppen und Fluchttunnels für den Tiefbahnhof zu bauen, was allerdings zu Mehrkosten und zur Verlängerung der Bauzeit führen würde. Ein wichtiger Kritikpunkt sind die Fluchtzeiten im Brandfall: Wenn ein Zug bei der Einfahrt in den neuen Bahnhof in Brand gerate, könne es für Fahrgäste bis zu 23 Minuten dauern, bis sie einen sicheren Ort erreichen würden. Nach den einschlägigen Vorschriften müsse eine Evakuierung aber „acht Minuten nach Einfahrt des Zuges beendet sein“. Die „Entrauchung“ auf dem Bahnsteig sei „äußerst kritisch“ zu beurteilen.

          Die Stellungnahme der Gutachter wurde - pünktlich zur Endphase im Stuttgarter Oberbürgermeisterwahlkampf - an einige Medien verteilt. Wolfgang Dietrich, der Sprecher des Bahnprojekts, sagte am Donnerstag: „Wir sind an der Erarbeitung eines Konzeptes. Von den Gutachtern wird nicht das Brandschutzkonzept an sich kritisiert, sondern lediglich ein Zwischenergebnis unserer Planungen.“ Es werde ein Konzept mit den Fachleuten der Brandschutzbehörden erarbeitet, das auch genehmigungsreif sein werde. Das Architekturbüro Ingenhoven aus Düsseldorf verweigerte eine Stellungnahme.

          „Angespannter Zeitplan“

          Noch zu Wochenbeginn hatte der baden-württembergische CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl davon gesprochen, dass der grüne Fritz Kuhn als Oberbürgermeister verhindert werden müsse, weil er mit der grün-roten Landesregierung den Bau des Projekts verzögern wolle. Nun muss die Bahn eingestehen, dass sie das Projekt selbst verzögert. Schon im am 30. November 2010 war von Heiner Geißler im Schlichterspruch verkündet worden: „Die bisher vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum Brandschutz und zur Entrauchung müssen verbessert werden. Die Vorschläge der Stuttgarter Feuerwehr werden berücksichtigt.“ Innerhalb der vergangenen zwei Jahre ist von den Kritikern des Bahnhofsprojekts immer wieder ein überzeugendes Brandschutzkonzept gefordert worden, der Leiter der Stuttgarter Feuerwehr hatte schon 2010 für die Schlichtung 31 Kritikpunkte formuliert, auch weil seit 2010 neue Brandschutzvorschriften gelten. „Von den 31 Kritikpunkten der Stuttgarter Feuerwehr, die seit mehreren Jahren bekannt sind, hat die Bahn bis heute nur 13 Punkte in den Planungen berücksichtigt“, sagt Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer der Umweltorganisation Bund. Das Problem lasse sich nur beheben, wenn man den Bahnhof breiter baue. Das werde aber auch mehr kosten.

          Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) forderte den Vorstandsvorsitzenden der Bahn, Rüdiger Grube, auf, die Landesregierung über die „zeitlichen und kostenmäßigen Folgen“ zu informieren. Das 4,5 Milliarden Euro teure Projekt (Durchgangsbahnhof und ICE-Bahnhof am Flughafen) soll 2020 fertig sein. Obwohl mit den komplizierten Tunnelarbeiten noch nicht begonnen worden ist, spricht die Bahn schon jetzt von einem „sehr angespannten“ Zeitplan. Für Zusatzkosten gibt es noch eine Rücklage in Höhe von 380 Millionen Euro.

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