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Leitet Versöhnungsstiftung : Anwältin der Vertriebenen

Feierliche Eröffnung an diesem Montag: Gundula Bavendamm leitet die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Ihr Vater floh aus Dresden in den Westen. Bild: Imago

Gundula Bavendamm leitet die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, deren Dokumentationszentrum am Montag eröffnet wird. Ihr gelang, was Erika Steinbach nicht schaffte: Vertriebene und Wissenschaft zu vereinen.

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          Gundula Bavendamm ist im 20. Jahrhundert wissenschaftlich weit herumgekommen. Sie war mit ihrer Dissertation und dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Historischen Museums ausgiebig in der Zeit des Ersten Weltkriegs „unterwegs“, widmete sich später als Leiterin des Berliner Alliierten-Museums der Nachkriegszeit und der Zeit des geteilten Deutschlands. Inzwischen ist sie seit fünf Jahren zuständig dafür, die Geschichte der deutschen Vertriebenen und deren Ursachen, aber auch die Geschichten von Flucht, Vertreibung und Zwangswanderung in Europa insgesamt zu dokumentieren und auszuleuchten.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Seit 2016 führt sie als Direktorin die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, deren Dokumentationszentrum an diesem Montag feierlich eröffnet und ab Mittwoch der Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Sie übernahm das Vorhaben, als es in einer Krise steckte. Die Idee eines Zentrums, das sich dem Schicksal der deutschen Vertriebenen widmen sollte, wurde vor 20 Jahren von der damaligen Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, propagiert; die rot-grüne Bundesregierung setzte den Vorschlag eines europäischen Zentrums für Flucht und Vertreibung dagegen. In der Bundesstiftung wurden beide Erinnerungsstränge vereint. Trotzdem entstand keine Einigkeit über ihre Ziele.

          Die Schaukel des Misstrauens angehalten

          Gegen die Repräsentanten der Vertriebenen richteten sich Revanchismus- und Relativierungsverdächtigungen, gegen die zuständigen Fachpolitiker und Wissenschaftler in Gremien und Beiräten wurden Mutmaßungen erhoben, sie wollten angesichts der deutschen Verantwortung am Nationalsozialismus den Vertriebenen nicht das Recht auf eigene Erinnerung zugestehen. Bavendamm gelang es, diese Schaukel des Misstrauens anzuhalten. Der Ort des neuen Dokumentationszentrums war längst gefunden, als sie ihr Amt in der Stiftung antrat, die Bauarbeiten waren in vollem Gange, aber der Inhalt war noch vage. Mit ihrer Erfahrung als Kuratorin entwarf sie ein Ausstellungskonzept, das allen Belangen Rechnung tragen kann. Sie machte die weiteren Aufgaben der Stiftung besser sichtbar, die auch ein Ort der historischen Forschung, der Wissensvermittlung und ein Archiv der Schicksale sein will.

          Bavendamm, geboren 1965, stammt aus Reinbek bei Hamburg, in ihrer Kindheit und Jugend war das Wort „Flüchtling“ noch meist gegenüber jenen gebräuchlich, die ihre Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg hatten aufgeben müssen. Ihr Vater floh aus Dresden in den Westen. Die Direktorin sagte bei ihrem Amtsantritt, sie werde sich nicht als „Dienstleisterin der Vertriebenen“ verstehen. Ihre Ausstellung setzt den Schrecken von Hitlers Krieg vor den millionenfachen Verlust einer Heimat. Dennoch ist sie damit eine Anwältin der Vertriebenen geworden.

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