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CDU-Parteitag : Die mit dem Wolf spielt

Meine Name ist Wolf, Guido Wolf: Der Spitzenkandidat der Baden-Württembergischen CDU überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Bundesparteitag seinen Namensgeber in Plüsch. Bild: AFP

Als Spitzenkandidat der CDU in Baden-Württemberg hat Guido Wolf angesichts zorniger Parteimitglieder wenig Freude an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Auf dem Bundesparteitag übt er jedoch nur vorsichtige Kritik an Merkel - und ist dabei ganz und gar nicht bissig.

          Guido Wolf war 2014 in der Urwahl der Überraschungssieger. Zumindest für alle, die sich mit den Feinheiten der baden-württembergischen CDU nicht befasst hatten. Die CDU-Basis entschied sich gegen den Landesvorsitzenden Thomas Strobl und für den ehemaligen Landrat Guido Wolf. Viele Wähler und viele CDU-Anhänger kennen Wolf aber noch nicht.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der 54 Jahre alte Wolf nutzte die Bühne des Karlsruher Bundesparteitages drei Monate vor der Landtagswahl deshalb gern zur Vorstellung. Schon in der Eingangshalle lächelte er von CDU-Plakaten, aus seinem Grußwort machte Wolf eine kleine Wahlkampfrede zur Einstimmung auf den Landtagswahlkampf: Wolf spricht eine gute halbe Stunde, die Rede ist eine Mischung aus Heimatprosa, Angriffen auf die grün-rote Regierung und Forderungen nach einer restriktiveren Flüchtlingspolitik.

          Auch eine Loyalitätserklärung für Angela Merkel sowie für Wolfgang Schäuble ist enthalten. „Wir wollen, dass die Flüchtlingsströme zurückgeführt werden, das gehört zur politischen Verantwortung“, sagt Wolf.

          Er lobt die ehrenamtlichen Helfer, fordert einen „Integrationsführerschein“ für Flüchtlinge. Im theoretischen Teil müsste ein Bekenntnis zur „deutschen Wertekultur“ stehen, im praktischen Teil müssten Flüchtlinge angehalten werden, sich ehrenamtlich zu engagieren.

          Ausführungen zur Globalisierung, zur Stellung des Exportlandes Baden-Württemberg und zu der humanitären Herausforderung der Flüchtlingskrise im Allgemeinen macht Wolf in Karlsruhe nicht.

          Der Wahlkämpfer Wolf hat es schwerer als Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz, die stellvertretende Bundesvorsitzende ist und somit bundespolitische Erfahrungen hat. Der Südwest-Spitzenkandidat hat es auch schwerer, weil seine Partei 2011 nach 1958 zum ersten Mal in die Opposition wechseln musste.

          Die Unzufriedenheit mit der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin ist aber im baden-württembergischen Landesverband lauter als anderswo geäußert worden. Bei Parteiversammlungen ist in den vergangenen Monaten von Mitgliedern schon einmal gebuht worden, wenn der Name der Kanzlerin fiel. Guido Wolf hat auf die schlechte Stimmung an der Basis und die verbesserungsfähigen Umfragewerte im Südwesten (37 Prozent) fast täglich mit Forderungen nach einer restriktiveren Flüchtlingspolitik reagiert: Integrationsführerschein, Asylzentren, Fußfesseln für islamistische Gefährder. Forderungen nach einer Obergrenze schloss sich Wolf nicht an, weil er sich als Oppositionspolitiker nur loyal zur Kanzlerin verhalten kann.

          Wolfs Möglichkeiten waren hier auch eingeengt, weil Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Kurs der Kanzlerin immer wieder gelobt hatte. „Ministerpräsident Kretschmann reiht sich gern im Windschatten der Kanzlerin ein,  gibt sich als Kanzlerinnenversteher“, sagt Wolf vor den etwa 1000 Delegierten in der Messehalle in Karlsruhe-Rheinfelden.

          Und dann fügte er hinzu: „Auch wer im Windschatten radelt, müsse dennoch in die Pedale treten. „Wenn die Bundesregierung Abschiebung erleichtert, wird in Stuttgart blockiert. Multi-Kulti ist gescheitert“, sagt er. Wolf will mit der Politik rot-grüner Regierungen abrechnen und vermengt dabei die Themen Abschiebungen und Integration, die - streng genommen - getrennt behandelt werden sollten.

          Am Ende überreicht er der Bundeskanzlerin ein Stofftier-Wolf aus baden-württembergischer Tradition. Baden-Württemberg sei „Wolferwartungsland“, das habe sogar der Umweltschutzverband Nabu behauptet, sagt der CDU-Spitzenkandidat. „Wölfe sind energische Tiere, wenn man sie nicht reizt, sind es auch friedfertige Tiere“, sagt Wolf. Die Kanzlerin nimmt es mit der Gelassenheit der Weltpolitikerin, als sie das Stofftier entgegen nimmt: „Ich kann damit relativ locker umgehen, weil der Wolf in Brandenburg ja schon zu Hause ist.“ 

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