https://www.faz.net/-gpf-9649i

GSG-9-Chef Fuchs : Der Terroristen-Jäger

Entschiedener, unmittelbarer, entschlossener: GSG-9-Chef Jerome Fuchs setzt gegen Terroristen auf Härte und Professionalität. Bild: dpa

Seine Eliteeinheit wächst und soll einen neuen Standort in Berlin bekommen. Das ist ganz im Sinne ihres 47 Jahre alten Kommandeurs – aber auch eine große Herausforderung für Jerome Fuchs.

          Der Tag, an dem er die GSG 9 übernahm, dürfte Jerome Fuchs schon wie ein Stück Geschichte vorkommen. Das liegt weniger daran, dass seine Ernennung 2014 auf dasselbe Datum wie der Gründungstag der Polizei-Spezialeinheit 1972 fiel. Vielmehr brach erst einige Monate später mit dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris die Serie radikal-islamistischer Terroranschläge an, der seitdem zahlreiche Menschen in Europa zum Opfer gefallen sind.

          Sie haben die Anforderungen an die GSG 9 maßgeblich verändert. Vorbei sind die Zeiten, in denen Informationen über Gegner und ihre Umgebung sich in Ruhe sammeln lassen. Dschihadisten setzen auf maximalen Schaden in kürzester Zeit, unter bereitwilliger Inkaufnahme des eigenen Todes.

          Diesem entschlossenen Vorgehen setzt Fuchs eine simpel klingende Maxime entgegen, die freilich in der Praxis das Einsatzrisiko für seine Truppe weiter steigert. Sie lautet: Noch entschiedener, noch unmittelbarer, noch entschlossener zu reagieren als die Terroristen selbst.

          Die am Montag vom Bundesinnenministerium bestätigten Pläne, der GSG 9 neben Sankt Augustin einen zweiten Standort in Berlin zu verschaffen, passen offenkundig in Fuchs’ Konzept – auch wenn daraus für ihn eine weitere Herausforderung erwächst. Schließlich soll die GSG 9 parallel mit dem Aufbau des neuen Standortes um ungefähr ein Drittel wachsen.

          Adäquate Bewerber sind kaum zu finden

          Um wie viele Stellen es sich genau handelt, ist zwar offen. Fuchs hält aus taktischen Gründen ihre Größe geheim. Der jüngst verstorbene Gründungskommandeur Ulrich Wegener sprach aber zuletzt von 400 Polizisten. Fuchs sagte am Montag, dass er es als „große Herausforderung“ für seine Einheit sehe, für die geplante Stärke „den geeigneten Ersatz zu bekommen“.

          Adäquate Bewerber für die Eliteeinheit sind kaum zu finden, die Anforderungen an sie enorm hoch. Körperliche Fitness zählt ebenso dazu wie geistige Flexibilität, Teamfähigkeit und mentale Stärke. Erschwerend kommt hinzu, dass die GSG 9 auf Bewerbungen ausgebildeter Polizisten warten muss.

          Setzen kann Fuchs bei der Aufstockung jedoch auf den Ruf der GSG 9 als weltweit anerkannte Eliteeinheit, zu der er Mitte der neunziger Jahre nach seiner Ausbildung beim Bundeskriminalamt stieß. Bevor er zum Kommandeur aufstieg, leitete Fuchs die maritime Einsatzeinheit der Truppe, deren Schwerpunkt auf Geiselbefreiungen und dem Anti-Terror-Kampf auf hoher See liegt.

          Davor wurde er als erster Angehöriger der GSG 9 für ein Jahr in die Vereinigten Staaten geschickt, um Kontakte zur amerikanischen Eliteeinheit „Navy Seals“ aufzubauen. Der Einheit, die Usama Bin Ladin tötete. Offizielle Informationen über Fuchs sind kaum zu erhalten.

          Die Bundespolizei teilte auf Anfrage dieser Zeitung lediglich mit, dass Jerome Fuchs 47 Jahre alt sei. Elitäres Denken, wie es mitunter in Spezialkräften zu finden ist, soll dem GSG-9-Kommandeur fremd sein. Von seinen Angehörigen, so heißt es, fordere er, durch Leistung zu überzeugen.

          Weitere Themen

          G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen Video-Seite öffnen

          Handel, Klima, Gerechtigkeit : G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen

          Um die ganz großen, die weltbewegenden Themen unserer Zeit soll es im französischen Biarritz gehen: Handel, Klima, Gerechtigkeit und einige mehr. Das dreitägige Treffen steht aber auch unter dem Eindruck der Zerwürfnisse zwischen den Teilnehmern.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.
          Noch baumelt der Golf an den Greifarmen im Zwickauer VW-Werk. Bald soll ihn das Elektromodell ID ablösen.

          VW-Werk : Zwickau wird elektrisch

          VW produziert im sächsischen Zwickau bald nur noch Elektroautos. Das Werk wird damit zum Modell für die ganze Branche. Was bedeutet das für die Arbeiter? Ein Besuch im Versuchslabor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.