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Özdemir und Söder : Zwei Ehrgeizige

Will zurück in die erste Reihe: Grünen-Politiker Cem Özdemir Bild: dpa

Die Sonnenblumen richten sich nicht mehr nur nach der Sonne, sondern auch einträchtig nach dem Wind. Cem Özdemir ist das zu langweilig. Dem Grünen-Politiker geht es da ganz wie Markus Söder.

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          Die Klimadebatte verschiebt die politischen Gewichte nicht unbedingt zugunsten der Grünen. Je mehr sich Union und SPD den Einzelheiten eines härteren Klimaschutzes widmen, desto stiller wird es im Maschinenraum der Grünen, an der Spitze der Bundestagsfraktion. Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter haben das Feld ohnehin schon lange Annalena Baerbock und Robert Habeck überlassen, was die frühere grüne Machtbalance umkehrt.

          Da hatte die Partei-Doppelspitze meist weniger zu melden als die beiden Fraktionsführer, denen allerdings nie gelang, was jetzt zum neuen Erscheinungsbild der Grünen gehört: Die Sonnenblumen richten sich nicht mehr nur nach der Sonne, sondern auch einträchtig nach dem Wind. Kirsten Kappert-Gonther und Cem Özdemir ist das zu langweilig – Özdemir wohl mehr als Kappert-Gonther. Die Kandidatur gegen Göring-Eckardt und Hofreiter ist ganz offensichtlich sein Werk, das zeigen soll: Ich will mehr.

          Özdemir geht es da ganz wie einem anderen Ehrgeizigen: Markus Söder. Er benutzt die Klimadebatte, um nicht nur in Bayern, sondern auch im Bund als Verdränger der Grünen aufzutreten. Im Unterschied zur CDU-Vorsitzenden hält sich der CSU-Vorsitzende mit Brückenbauen nicht lange auf. Der bayerische Ministerpräsident kann auf der grünen Seite tun, was ihm auf der rechten Seite in Richtung AfD misslungen ist. Er kopiert und vereinnahmt sie, ohne fürchten zu müssen, dafür bestraft zu werden oder die CDU zu ärgern.

          Söders großer Vorteil: Er wird dadurch nicht zur Merkel. Das macht ihn neben Armin Laschet zu einem ernsten Konkurrenten für Annegret Kramp-Karrenbauer im Kampf um die Kanzlerkandidatur.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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