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Grünen-Vorsitzende Peter : „Wir sind eine rot-rot-grüne Familie“

  • Aktualisiert am

Simone Peter ist seit Oktober Bundesvorsitzende der Grünnen Bild: Matthias Lüdecke

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter spricht im F.A.S.-Interview über Politik in der Familie, die Energiewende, die Linkspartei und fehlende Oppositionsrechte.

          Sie stammen aus dem Saarland, Frau Peter, und haben Ihren Arbeitsplatz seit kurzem als Bundesvorsitzende der Grünen in Berlin. Sind Sie schon mit der ganzen Familie umgezogen?

          Nein, mein Mann und mein Sohn sind noch im Saarland. Ich bin jetzt unter der Woche in Berlin. Wir haben uns ein halbes Jahr Zeit gegeben und werden dann entscheiden. Wir wollen auch unseren sieben Jahre alten Sohn nicht mitten im Schuljahr aus der Schule nehmen. So kann ich auch mein Leben hier in der engen Taktung selber organisieren. Und wenn ich zu Hause im Saarland bin, dann geht es nur um die Familie. Dort komme ich dann auch wirklich zur Ruhe.

          Sie kommen aus einer politischen Familie. Ihre Mutter Brunhilde war in der SPD aktiv und in den achtziger Jahren Arbeitsministerin unter Oskar Lafontaine. Wie sehr hat Sie das geprägt?

          In unserer Familie waren und sind alle politisch aktiv. Meine Eltern in der SPD, meine Brüder, die acht und zehn Jahre älter sind als ich, haben bei den Jusos angefangen. Umweltpolitik spielte eine große Rolle. Wir haben gemeinsam gegen das grenznahe französische Atomkraftwerk Cattenom protestiert. An der großen Friedensdemo auf der Bonner Hofgartenwiese 1981 waren wir als Familie dabei.

          Zu den Jusos wollten Sie nicht?

          Nein, wie viele aus meiner Generation fand ich die Grünen spannender. Außerdem wollte ich mich für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren. Auch deshalb habe ich Biologie studiert.

          Ihr Vater war über Jahrzehnte ein Vorkämpfer für die Solarenergie. Ist er damit Ihr Vorbild?

          Mit meinem Vater, der schon auf die 90 zugeht, diskutiere ich heute noch viel über Politik. Er ist auch ein Vorbild. Er denkt sehr unkonventionell, hat immer wieder sein Berufsleben umgekrempelt, um etwas Neues anzufangen. Als die Familie gerade ein Haus baute, hat er seine Festanstellung gekündigt und ein erfolgreiches Institut für Sozialforschung gegründet. Als er sechzig war, hat er den Stab an Jüngere übergeben und die Zukunftswerkstatt Saar gegründet. Da ging es um selbstverwaltete Betriebe, aber auch um Solarkunst und Solarkultur. Er hat auch Rennen mit Solarmobilen veranstaltet.

          Sind Sie bei solchen Rennen mitgefahren?

          Ja, auch gegen meinen Vater. Der hat meistens gewonnen, weil er später gebremst hat.

          Wie schnell wird so ein Solarrennwagen?

          Damals fuhren die Solarmobile bei den internationalen Rennen sicher gut 150 Kilometer in der Stunde. Ganz so schnell waren wir nicht unterwegs. Und heute geht’s bestimmt noch schneller. Aber das braucht es ja gar nicht. Die Reichweite zählt.

          Ihr Bruder hat lange in den Vereinigten Staaten gelebt, auch unter Indianern. Er ist wieder zurück und bei der Linkspartei aktiv. Gibt das Streit mit der kleinen Schwester?

          Wir piesacken uns immer mal. Aber insgesamt sind wir eine rot-rot-grüne Familie, die unterschiedliche Positionen gerne und leidenschaftlich diskutiert. Unversöhnlichen Streit gibt es bei uns aber nicht.

          Ihre Mutter hat katholische Theologie studiert. Sie sind konfessionslos. Wie kam das?

          Meine Eltern sind beide von der katholischen Soziallehre geprägt. Aber meine Mutter war auch frauenpolitisch sehr aktiv – und auch das hat geprägt. Mir ist der Bezug zur Institution Kirche Schritt für Schritt abhanden gekommen, weil ich die Einstellung zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, zur Abtreibungsfrage oder zum überkommenen Zölibat nicht mehr akzeptieren konnte.

          Sie sind Bundesvorsitzende einer Partei, die wieder einmal in der Opposition gelandet ist. Ist da nicht eine Chance verpasst worden, wieder zu regieren?

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