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Tübingens Bürgermeister : Claudia Roth wirft Boris Palmer Rassismus vor

  • Aktualisiert am

Claudia Roth Bild: EPA

Die frühere Grünen-Vorsitzende Claudia Roth rechnet in einem Interview mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ab. Sie kritisiert „narzisstische Egomanie“ und legt ihm nahe, die Grünen zu verlassen.

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          Die Bundestagsvizepräsidentin und frühere Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer Rassismus vorgeworfen und ihm nahegelegt, die Partei zu verlassen. „Ich glaube, er hat sich Lichtjahre von den Grünen und vielen ihrer Grundüberzeugungen entfernt“, sagte Roth der „Augsburger Allgemeinen“. „Niemand wird ihn davon abhalten, sich einen Ort zu suchen, an dem er sich politisch wohler fühlt.“ Ein Parteiauschlussverfahren lehnte Roth jedoch ab.

          Der Grünen-Politiker Palmer war in der Vergangenheit wiederholt mit Äußerungen in seiner Partei angeeckt. Aktuell sorgt seine Kritik an einem Werbespot der Deutschen Bahn für Empörung, der Menschen unterschiedlicher Hautfarbe zeigt, unter anderen den dunkelhäutigen Sterne-Koch Nelson Müller und die türkisch-stämmige Moderatorin Nazan Eckes. „Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die ,Deutsche Bahn‘ die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat“, schrieb Palmer vergangenen Dienstag auf Facebook. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

          „Rassismus ist keine Meinung“

          Roth sagte nun der „Augsburger Allgemeinen“, Palmer habe „mehr als einmal eine Grenze überschritten. Nehmen wir das jüngste Beispiel. Seit Jahrzehnten zeichnet Werbung in Deutschland ein falsches, überproportional weißes und nicht-migrantisches Bild unserer Gesellschaft. Ich habe da von Boris Palmer nie Kritik gehört. Die kam erst, als ein Unternehmen ausnahmsweise mit demonstrativer Vielfalt warb. So leid es mir tut: Das ist eindeutig rassistisch und Rassismus ist keine Meinung, sondern Rassismus.“

          Boris Palmer
          Boris Palmer : Bild: dpa

          Roth warf Palmer „narzisstische Egomanie“ vor und wertete sein Vorgehen als brandgefährlich. „Wir reden so viel über Populisten und Spaltungsversuche, über Alltagsrassismus und Diskriminierung in Europa, all das befördert Boris Palmer“, kritisierte Roth.

          Zuvor hatten die Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock Palmer vorgeworfen, er habe „eine Tür zu einem rassistischen Weltbild aufgestoßen“, und ihn dazu aufgefordert, er solle sie „schnell wieder schließen“. Andere Grünen-Politiker forderten, Palmer aus der Partei auszuschließen. Der wies dieses Ansinnen vergangene Woche scharf zurück: „Ich halte das für den Ausdruck einer antidemokratischen Debattenverweigerung“, sagte Palmer. „Ich vertrete die Werte dieser Partei gegen solche Meinungstyrannen und lasse mich dadurch in keiner Weise beeindrucken.“

          Berlins AfD-Vorsitzender Georg Pazderski bot Palmer eine politische Zusammenarbeit an und lobte auch dessen kritische Äußerungen über die Flüchtlingspolitik. Palmer ist Autor des Buches „Wir können nicht allen helfen. Ein Grüner über Integration und die Grenzen der Belastbarkeit“.

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