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Grünen-Parteitag : Jedem Anfang wohnt ein Zwist inne

Die neue Führung der Grünen rückt in den Fokus: Die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt zusammen mit den gerade gewählten Parteivorsitzenden der Grünen, Simone Peter und Cem Özdemir Bild: dpa

Die Abschiede sind auf dem Parteitag der Grünen eindrucksvoller ausgefallen als die Anfänge. Die neue Parteiführung mit dem Realo Özdemir und der Linken Simone Peter muss sich alten Flügelkämpfen stellen.

          Die Abschiede sind auf dem Parteitag der Grünen eindrucksvoller ausgefallen als die Anfänge. Claudia Roth, die mehr als ein Jahrzehnt lang die Grünen an der Spitze verkörperte, setzte den Saal in Tränen und konnte ihre eigenen kaum bändigen. Jürgen Trittin, der heimliche Vorsitzende, verteidigte am Ende nochmals laut und scharf sein sorgfältig zusammengefügtes Wahlprogramm, worauf Winfried Kretschmann, der mittlerweile zum Flügel-Hauptmann der Realos befördert worden ist, ebenso laut und wütend widersprach.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Abschied von der bisherigen Heimat der Grünen im politischen Gefüge vollzog sich leiser, aber doch auch deutlich: Der Orientierungsbeschluss, den die 800 Abgesandten der Grünen-Basis sich fast einstimmig zu eigen machten, stellt mit einem Seufzer fest, dass „die SPD uns zwar am nächsten stehen mag“, dass nun aber „zum dritten Mal in Folge“ das Wahlziel, eine rot-grüne Mehrheit herbeizuführen, gescheitert sei.

          Abschied mit Hast von Schwarz-Grün

          Auch von der schwarz-grünen Koalitionsoption, die nach der Bundestagswahl die Grünen erst vor wenigen Wochen überraschte, verabschiedete sich der Parteitag mindestens für dieses Mal mit Hast: „Wir haben die Sondierungsgespräche mit CDU und CSU geschlossen und verantwortungsvoll geführt“, stellt der gemeinsame Beschlusstext fest - und es klingt, als sähe die Parteispitze schon allein darin eine Leistung.

          Also wohin? „Miteinander für Morgen“ lautete das Motto, das die Stirnwand der Halle den Delegierten drei Tage lang entgegen hielt. Darin steckt die dringliche Mahnung der alten und neuen Parteiführung, jetzt nicht einen Grabenkrieg zu führen um die Vergangenheit - wer schuld sei am schlechten Wahlergebnis - und um die Zukunft - ob die Grünen nach links oder rechts rutschen sollten.

          Sie streiten über den richtigen Kurs: Winfried Kretschmann und Jürgen Trittin.

          Der offene Kampf blieb aus, oder fand, wie im Falle Kretschmanns versus Trittin, mit bandagierten Fäusten statt. Aber die Gräben, welche die Frontlinien zwischen den Flügeln der Reformer einerseits, der Linken andererseits markieren, zogen sich deutlich wie je durch die Parteitagshalle. Der wiedergewählte Vorsitzende Cem Özdemir bekam Beifall für sein Flehen, die Flügel dürften nicht länger wichtiger genommen werden als die Partei - und doch entsprach die personelle Erneuerung des Vorstands genau dem Muster, welches die Flügel-Kräfte der Partei seit Jahren eingeprägt haben.

          Dem Realo Özdemir steht nun die Linke Simone Peter als Vorsitzende zur Seite, die trotz ihrer aus Sprachschablonen zusammengefügten Bewerbungsrede - „lasst uns unser Profil schärfen und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen“ - mehr als 75 Prozent der Stimmen erhielt; ein besseres Ergebnis als Özdemir (71,4 Prozent).  Auch bei der Textarbeit am Parteitagsbeschluss wagten die Strategen der Flügel begrenzte Stellvertreterkriege; der erste ging um die Überschrift.

          Sollte das Papier, das „Eigenständigkeit“ als künftigen Kurs der Grünen beschreibt, wirklich die sorgfältig austarierte und an die eigenen Mitglieder adressierte, aber kraft- und belanglose Botschaft „Gemeinsam und solidarisch für eine starke grüne Zukunft“ tragen? Oder sollte die Überschriftenzeile, wie eine Gruppe Realos um den bayerischen Landesvorsitzenden Dieter Janecek beantragte, nicht besser „Jenseits der Lager - Grün ist, was zählt“ lauten? Dass hier schon wieder der „Lagerbegriff“ verwendet werde, wenn auch in der angeblichen Absicht, sich davon zu distanzieren, vertiefe doch nur die Gräben, hielt ein Gegenredner dem Antrag entgegen. Ein knappes Drittel der Stimmkarten hob sich anschließend für Janeceks Vorschlag.

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