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Selbstverständnis der Grünen : Sie wollen regieren

Grünen-Vorsitzende Baerbock und Habeck beim Parteitag im November in Bielefeld. Bild: dpa

Die Grünen fremdeln nicht mehr mit der Macht. Sie drängen in deren Zentrum. Doch der Weg dahin wird die Partei verändern – und reine Selbstvergewisserung irgendwann nicht mehr reichen.

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          Die Stadt Bielefeld ist Zeugin des Wegs, den die Grünen in den vergangenen zwanzig Jahren zurückgelegt haben. Hier wurde 1999 der damalige Außenminister Fischer, der für den Bundeswehreinsatz im Kosovo geworben hatte, als „Kriegshetzer“ beschimpft, ein Farbbeutel traf ihn am Kopf. Heute spricht sich die Parteivorsitzende Annalena Baerbock für eine europäische Armee aus, sie wird bejubelt und mit 97,1 Prozent im Amt bestätigt. Der Ko-Vorsitzende Robert Habeck lobt die „kreative Kraft der Märkte“; ihn wählen mehr als neunzig Prozent der Delegierten. Die Grünen, als Anti-Parteien-Partei gegründet, fremdelten damals noch mit der Macht. Heute formulieren sie selbstbewusst ihren Regierungsanspruch: Die Grünen wollen das Land führen, und zwar, wenn möglich, vom Kanzleramt aus.

          Die Grünen präsentieren sich in einem geordneten Zustand. Der Titel „Quasiregierungspartei im Wartestand“, den sie sich selbst gegeben haben, passt. Machtkämpfe finden nicht mehr statt. Nicht ein einziger Gegenkandidat ist bei den Wahlen zum Parteivorstand angetreten. Streiten, so sagen Grüne, gehöre zu ihrer DNA. Doch wann es inhaltliche Auseinandersetzungen gibt, wird mittlerweile genau kontrolliert. Und wenn es sie gibt, sind sie wohltemperiert. Themen, welche die Gemüter erhitzen, wurden vor dem Parteitag abgeräumt. Basismitglieder aus Berlin, die Wohnungsgesellschaften enteignen wollen, wies der Parteichef selbst in die Schranken. Die Parteiführung hat die Zügel fest in der Hand. Und doch wirken alle, die sich nach ihren Vorstellungen bewegen, glücklich und zufrieden. Die Voraussetzungen, um die große Koalition vom Sockel zu stoßen, könnten nicht besser sein.

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