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Führungsfrage bei den Grünen : Kretschmann für Habeck als Kanzlerkandidaten

Zwei, die sich verstehen: Robert Habeck und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, hier auf einer gemeinsamen Wanderung im Jahr 2012 Bild: dpa

Der baden-württembergische Ministerpräsident legt sich in der Kandidatenfrage fest. In Berlin ist man über diesen Zwischenruf nicht gerade erfreut.

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          Die Grünen haben gerade andere Sorgen. Bei der Landtagswahl in Thüringen hat die Partei ein enttäuschendes Ergebnis erzielt, gerade so haben sie den Sprung in das Parlament geschafft. Auch in Brandenburg und Sachsen lief es schlechter als erwartet. Und plötzlich ist die Debatte eine ganz andere. Die Fragen an die grüne Parteispitze lauten: Ist der Höhenflug nun vorbei? Geht das Politikangebot an den Interessen der Menschen vorbei? Fremdeln die Grünen mit dem Osten doch mehr als sie zugeben? Eine Frage wurde in diesen Tagen nicht gestellt: Wer wird der grüne Kanzlerkandidat – Annalena Baerbock oder Robert Habeck?

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Das hält Winfried Kretschmann, den grünen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, freilich nicht davon ab, trotzdem eine Antwort zu geben. Sie lautet: Habeck. Er sei ein „Kommunikator“ und verfüge als früherer Umweltminister Schleswig-Holsteins über „Exekutiverfahrung“, sagte Kretschmann nach Angaben des Magazins „Stern“ am Donnerstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung in Stuttgart. Baerbock hat er demnach gar nicht erwähnt.

          In Berlin ist man über diesen Zwischenruf aus dem Süden nicht gerade erfreut. Baerbock und Habeck gehen der Frage seit Monaten aus dem Weg. Taktisch gesehen haben sie dafür gute Gründe: Habeck ist ein guter Rhetoriker, aber schwächelt zuweilen beim Fachlichen, wo Baerbock ihre Stärken hat. Sie ergänzen sich und kommen jeweils bei anderen Wählergruppen gut an. Eine Debatte darüber, wer für das Kanzleramt besser geeignet ist, würde die Harmonie nur stören.

          Wenn die Grünen bei der Bundestagswahl tatsächlich um Platz eins kämpfen wollen, kommen sie um die Frage nicht herum. Aber nicht jetzt, heißt es. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte am Freitag: „Wir werden alle relevanten Fragen rechtzeitig vor der Bundestagswahl gemeinsam mit der Partei beantworten, und zwar dann, wenn sie konkret anstehen.“

          Offenbar ist der Unmut der Berliner Grünen auch in Stuttgart angekommen. Am Freitag klang Kretschmann ganz anders. Die Entscheidung über eine Kanzlerkandidatur stehe derzeit überhaupt noch nicht an, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Seine Äußerung sei „in einem lockeren Gespräch“ gefallen. „Die Grünen können sich freuen, dass sie zwei Bundesvorsitzende haben, die beide kanzlerkandidatenfähig sind.“ Zunächst steht die Wiederwahl von Baerbock und Habeck als Parteivorsitzende auf dem Parteitag in zwei Wochen an.

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