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Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck Bild: EPA

Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.

          Seit einem Jahr schon sind die Grünen im Höhenflug. Selbst der Osten Deutschlands, traditionell ein schwieriges Terrain für die Partei, ist mittlerweile ergrünt. In Sachsen und Brandenburg sieht es ganz danach aus, als hätten die Grünen nach den Landtagswahlen am 1. September in den neuen Regierungen ihren Platz schon sicher. Die CDU-Vorsitzende tut sich schwer mit ihrer Rolle, die SPD sucht noch nach einer geeigneten Führung. Umso mehr können Annalena Baerbock und Robert Habeck glänzen. Doch trotz der guten Stimmung gibt es zwei Fragen, die die Grünen im Bund in diesen Tagen gar nicht gerne hören: Wer wird bei der nächsten Bundestagswahl – ob sie nun in ein paar Monaten oder erst in zwei Jahren ansteht – der Kanzlerkandidat der Grünen? Und in welchem Bündnis will die Partei dann regieren?

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Die Parteivorsitzenden Baerbock und Habeck beantworten derzeit weder die erste noch die zweite Frage. Man wolle nicht spekulieren, heißt es dann. Die Stärke der Grünen liege ja darin, dass man keine Personaldebatten führe, sondern sich um Inhalte kümmere. Inhalte seien auch allein entscheidend, wenn es um künftige Koalitionen gehe, in den Ländern und im Bund. Dass diese Fragen angesichts der wackeligen großen Koalition und der stabilen Umfrage- und Wahlergebnisse der Grünen doch ihre Berechtigung haben, gab Habeck vor ein paar Tagen zumindest indirekt zu: „Wir sind doch jetzt schon längst in der Rolle einer Quasi-Regierungspartei im Wartestand.“ Direkter wurde da schon Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im bayerischen Landtag. Im Juni sagte er der F.A.S.: „Wenn es die Umfragen weiterhin hergeben, bin ich für eine klare Kanzlerkandidatur und gegen eine Doppelspitze bei der nächsten Bundestagswahl.“

          Das Duo Baerbock/Habeck funktioniert auch deshalb, weil sich beide ergänzen. Beide sind rhetorisch gut, aber auf unterschiedliche Weise. Er, der Philosoph und Schriftsteller, beherrscht die Metaebene: große Themen, große Thesen, wie alles mit allem zusammen hängt – das ist seine Stärke. Bei Baerbock wird es immer konkret, sie kennt sich in vielen Themen besser aus als Habeck, sie liefert die inhaltliche Substanz. Welche Fähigkeiten sind nun wichtiger für einen Kanzler? Und auch: Welche Schwächen kann man leichter kompensieren?  

          Die K-Frage könnte einen Keil zwischen sie treiben

          Die Parteivorsitzenden scheuen die Debatte, denn sie könnte einen Keil in das Paar treiben, das bislang offenkundig sehr harmonisch zusammenarbeitet. Habeck schneidet in Umfragen deutlich besser ab als Baerbock, ist auch nach wie vor bekannter als sie. Doch wenn er der Kandidat würde, wäre die grüne Spitze männlich, während die CDU seit 14 Jahren mit einer Frau antritt und die SPD immerhin mit einer Doppelspitze. Die Wurzeln der Grünen speisen sich auch aus der Frauenbewegung der siebziger Jahre, stärker als jede andere Partei propagieren sie die Geschlechtergerechtigkeit. Doch die Partei ist schon einmal mit nur einem Spitzenkandidaten angetreten: im Jahr 2005 mit Joschka Fischer, dem damaligen Außenminister und Vizekanzler.

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