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Grüne Kandidatenkür : Immer schön der Reihe nach

Bei den Urwahlforen treten Politprofis wie Claudia Roth und Jürgen Trittin gegen Amateure an. Bild: dpa

Die Grünen wollen ihre zwei Spitzenkandidaten für die nächste Bundestagswahl in einer Urwahl bestimmen. Mittlerweile wollen 15 Kandidaten antreten. Ihre Vorstellungsrunde in Berlin erinnerte an ein Fernsehquiz.

          Der Tierarzt Peter Zimmer ist als zwölfter und letzter dran in der Vorstellungsrunde der grünen Bewerber um die Spitzenkandidatur; er kommt aus Bayern, betreibt ökologische Landwirtschaft und erntet beim Berliner Parteipublikum einen schönen Lacher mit der Behauptung: „Ich glaube an das Rotationsprinzip - auf den Feldern und in politischen Ämtern.“ Richtig, die Ämterrotation, das war vor vielen Jahren doch ein Markenzeichen der Grünen - zu jener Zeit, als sie den Vorwurf, unprofessionell zu sein, ganz gern in Kauf nahmen, solange er ihr antietabliertes Selbstbild illustrierte.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Jetzt soll es wieder einmal unkonventionell zugehen bei den Grünen: die Parteiführung lässt zwei Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl in einer Urabstimmung von den Parteimitgliedern aussuchen. Die vier Berufspolitiker Jürgen Trittin, Renate Künast, Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth hatten sich gleich als Bewerber gemeldet; neben ihnen treten aber auch elf Männer aus diversen lokalen grünen Parteikreisen als Aspiranten auf. In wechselnden Besetzungen reist die Kandidatenschar in den nächsten Wochen auf ihrer Vorstellungstournee durch Deutschland, letzter Stopp ist Ende Oktober Gelsenkirchen; anschließend wird abgestimmt.

          Zwei Minuten für jeden Bewerber

          Bei dem Berliner Auftritt ist nicht nur der Saal, sondern auch die Bühne voll, die zwölf Kandidaten (drei weitere „Basis-Männer waren verhindert) drängeln sich um vier Kaffeehaustische, alphabetisch geordnet. Zwei Minuten hat jeder, um seine Bewerbung zu begründen. Für Thomas Austermann, Bewerber Nummer eins, ist das eigentlich schon zu lang, er verhaspelt sich nach knapp einer Minute in seiner Empörung über das einstige grüne Ja zum „deutschen Angriffskrieg“ gegen Serbien. Die Bewerberin Göring-Eckardt (Nummer zwei) meint hingegen, zwei Minuten Vorstellung, das sei doch das reinste „High-Speed-Dating“. Gelegentlich betont Frau Göring-Eckardt, dass sie ein Jahrzehnt jünger ist als die anderen drei der vier Promi-Bewerber. Doch ihre Jugendlichkeit wird durch den nächsten Kandidaten (Nummer drei) noch überboten.

          Der Wiesbadener Student Nico Hybbeneth liest seine Bewerbungsworte sorgfältig vom Blatt ab: „Wir Grüne stagnieren, was ist der Grund dafür? Der Partei fehlt es an jungen Gesichtern.“ Jede Stimme für ihn sei eine Stimme für den Generationswechsel, behauptet Nico keck. Dann ist der nächste dran. Kandidat Nummer vier beeindruckt die Berliner Parteibasis vor allem durch seinen fränkischen Akzent. Renate Künast (Nummer fünf) erinnert die Anwesenden daran, dass sie Ende der siebziger Jahre schon auf die Barrikaden ging, in der Republik Freies Wendland war das damals ( „Den Pass hab’ ich noch“).

          Claudia Roth wirbt für die Quote - und für sich

          Der sechste Kandidat, Alfred Mayer, verlangt eine Schrumpfung der Wirtschaft in Deutschland, was keine Reaktionen unter den Zuhörern erzeugt, erst als er am Ende demütig sagt „und bitte stellt mir nachher auch eine Frage“, kommt gerührtes „ooh“ und ein bisschen Applaus auf. Der siebte Kandidat wirkt unsicher, er überlegt laut „ tja, wie fang ich jetzt hier am besten an?“ Die achte Kandidatin hingegen, Claudia Roth, hätte Energie für mehrere gleichzeitige Bewerbungen, sie schafft es, sich in zwei Sätzen nacheinander über „tote Flüchtlinge im Mittelmeer“ und über „horrende Mieten in Deutschland“ aufzuregen.

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