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Neues Selbstbewusstsein : Grüne erwägen Kanzlerkandidatur

Annalena Baerbock und Robert Habeck auf dem Leipziger Parteitag Ende 2018 Bild: AFP

Die Parteiführung bereitet sich auf eine vorgezogene Bundestagswahl vor. Der Grünen-Chef in Bayern spricht aus, was viele denken: Die Doppelspitze ist nicht mehr zeitgemäß.

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          Die Grünen denken darüber nach, bei der nächsten Bundestagswahl erstmals mit einem eigenen Kanzlerkandidaten anzutreten. Die Partei reagiert damit auf ihre guten Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Hessen, Bayern und bei der Europawahl, wo sie jeweils auf dem zweiten Platz hinter der Union gelandet war. Forciert werden die Überlegungen durch Umfragen, in denen die Grünen vor der Union liegen, und durch die Aussicht auf eine vorgezogene Bundestagswahl. Während sich die Parteiführung öffentlich bedeckt hält, sagte der Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wenn es die Umfragen weiterhin hergeben, bin ich für eine klare Kanzlerkandidatur und gegen eine Doppelspitze bei der nächsten Bundestagswahl.“ Hartmann selbst war bei der Landtagswahl in Bayern im Tandem mit einer Kandidatin angetreten.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Hartmann spricht sich dafür aus, den Kanzlerkandidaten in einer Urwahl zu bestimmen: „Dieser basisdemokratische Prozess und grüne Inhalte sind wichtiger als Anzahl oder Geschlecht der Kandidierenden.“ Heute schon sei es gang und gäbe, dass die Grünen nur einen Kandidaten aufstellen, wenn es um die Posten von Landräten und Bürgermeistern geht. Sogar bei bayerischen Landtagswahlen war das schon mehrmals so. Die Mitglieder würden einen Kanzlerkandidaten in einer Urwahl besonders beurteilen, zeigt sich Hartmann überzeugt: „Es geht dann nicht nur darum, wer einen guten Wahlkampf macht, sondern wer das Amt des Bundeskanzlers ausfüllen kann.“

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