https://www.faz.net/-gpf-7iac6

Grüne : Büroleiter von Tom Koenigs unter Missbrauchsverdacht in Haft

„Schockiert und völlig überrascht“: Tom Koenigs Bild: dpa

Ein Büroleiter des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs ist unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs verhaftet worden. Koenigs selbst löste nach einem anonymen Hinweis die Ermittlungen gegen seinen langjährigen Mitarbeiter aus.

          2 Min.

          Der Leiter des Gießener Wahlkreisbüros des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs wird des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt. Der zuständige Ermittlungsrichter ordnete auf Antrag der Staatsanwaltschaft Gießen wegen des dringenden Tatverdachts des sexuellen Missbrauchs in 163 Fällen Untersuchungshaft gegen den 61 Jahre alten Mann an.

          Thomas Holl
          (holl.), Politik

          Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen soll der Beschuldigte seit 2007 drei Mädchen und einen Jungen, die im Tatzeitraum zwischen sechs und zwölf Jahre alt waren, sexuell missbraucht haben. Am vergangenen Freitag hatten Polizei und Staatsanwaltschaft das Gießener Wahlkreisbüro von Koenigs und das Wohnhaus seines Büroleiters durchsucht. Dabei seien „diverse Beweismittel“ sichergestellt worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Nicht äußern wollte sich die zuständige Staatsanwältin über einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach der Mann seine minderjährigen Opfer erst unter Drogen gesetzt habe, um sich dann an ihnen zu vergehen.

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Beschuldigte umgehend nach der Verkündung des Haftbefehls in Untersuchungshaft genommen worden.

          Koenigs: Bin schockiert und völlig überrascht

          Koenigs selbst hat offenbar die Ermittlungen gegen seinen langjährigen Mitarbeiter ausgelöst. Am vergangenen Mittwoch habe ihn in Berlin ein anonymer Brief aus Gießen erreicht. Darin sei der Leiter seines Wahlkreisbüros des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt worden. „Ich war von den Vorwürfen schockiert und völlig überrascht“, teilte Koenigs mit. Den Brief habe er noch am selben Tag der Polizei in Berlin übergeben. Über die Vorwürfe selbst könne er nichts sagen. Er unterstütze aber die Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft.

          Die Grünen-Fraktionsspitze ist erschüttert über den Fall. „Kindesmissbrauch ist ein furchtbares Verbrechen, das natürlich in aller Härte juristisch geahndet werden muss“, sagte die Vorsitzende der Bundestagsfraktion Katrin Göring-Eckardt. Die Fraktion habe am Morgen davon erfahren, sagte Göring-Eckardt. „Wir sind alle sehr erschüttert.“ Man sei aber froh, dass Koenigs schnell und deutlich auf den anonymen Hinweis reagiert habe.

          Der Beschuldigte ist neben seiner Tätigkeit als Büroleiter von Koenigs seit Jahren für die Grünen kommunalpolitisch aktiv. Neben seinem Mandat im Kreistag des Landkreises Gießen ist er auch stellvertretendes Mitglied des Parteirats der hessischen Grünen, dem höchsten Gremium zwischen den Parteitagen.

          Der hessische Landesverband der Grünen reagierte bestürzt und erschüttert auf die Festnahme eines Politikers aus ihren Reihen: „Kindesmissbrauch ist ein schreckliches Verbrechen. Deshalb ist es gut und richtig, dass Tom Koenigs den anonymen Brief, den er mit diesen Vorwürfen erhielt, sofort an die Polizei weitergeleitet hat“, sagte der Politische Landesgeschäftsführer, Matthias Münz. Die Grünen seien sich sicher, dass Polizei und Staatsanwaltschaft den Vorwürfen akribisch nachgehen werden. „Es liegt jetzt in deren Händen, genau zu ermitteln und aufzuklären.“

          Fraktionschefin Göring-Eckardt sagte, sie befürchte nicht, dass die Ermittlungen in Gießen Auswirkungen auf die Sondierungsgespräche mit der Union haben. Wenn CDU und CSU ernsthaft in die Gespräche gingen, dann werde die Union die staatsanwaltlichen Ermittlungen nicht im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Pädophilie-Debatte bringen.

          Der Co-Vorsitzende der Fraktion im Bundestag, Anton Hofreiter, sagte, die Debatte bei den Grünen in den achtziger Jahren „war dumm, peinlich, falsch und in vielerlei Hinsicht auch widerwärtig“. Er fügte hinzu: „Die widerwärtiger Verbrechen, die ein Mitglied unserer Partei begangen hat, sollte man nicht vermischen mit schrecklichen Debatten, auch wenn manches zusammenhängen mag.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neue Nummer drei: Elise Stefanik im Januar 2020 nach Trumps Freispruch im Weißen Haus.

          Machtkampf der Republikaner : Aufstieg einer glühenden Trumpistin

          Die vergangenen Tage haben eindrücklich gezeigt: Auch nach der Wahlniederlage hat Donald Trump die Fraktion der Republikaner unter Kontrolle. Sein neuester Coup ist die Beförderung von Elise Stefanik.
          Hat gut lachen: Hamburgs Interimstrainer Horst Hrubesch (rechts) klatscht mit HSV-Spieler Moritz Heyer ab.

          5:2 gegen Nürnberg : Mit Hrubesch läuft es beim HSV

          Mit Interimstrainer Horst Hrubesch siegt Hamburg gegen Nürnberg deutlich. Damit wahrt der HSV eine kleine Chance auf den Aufstieg. Doch auch Konkurrent Kiel holt gegen Hannover drei Punkte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.