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„Großelternzeit“ angekündigt : CDU-Vorstand will über Betreuungsgeld abstimmen

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„Der demographische Wandel betrifft die ländlichen Gebiete früher und härter als die städtischen Ballungsräume.“ Bild: Roeder, Jan

Die CDU will ihr Vorhaben eines Betreuungsgeldes durch einen Vorstandsbeschluss bekräftigen. In einem Papier zur Wirtschaftsförderung für ländliche Regionen kündigt die Partei außerdem eine Großelternzeit an - entsprechend der Elternzeit.

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          Die Führung der CDU beabsichtigt, das in Partei und Koalition umstrittene Vorhaben eines Betreuungsgeldes durch einen Vorstandsbeschluss zu bekräftigen. Im Entwurf eines Programms zur Entwicklung ländlicher Räume, der am kommenden Montag vom Bundesvorstand der CDU beschlossen werden soll, heißt es: „Gerade auf dem Land entscheiden sich viele Eltern dafür, ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause selbst zu betreuen.

          Ihr Familienmodell hat unseren Respekt und unsere Unterstützung. Wir werden deshalb ab dem Jahr 2013 als zusätzliche Anerkennungs- und Unterstützungsleistung ein Betreuungsgeld in Höhe von zunächst 100 Euro für das zweite und ab dem Jahr 2014 von 150 Euro für das zweite und dritte Lebensjahr des Kindes einführen.“

          Mit Blick auf den Umstand, dass in ländlichen Gegenden oft nahe Verwandte oder Nachbarn Verantwortung in der Kinderbetreuung übernähmen, wird in dem Papier angekündigt: „Analog zur dreijährigen Elternzeit werden wir eine Großelternzeit einführen, damit Großeltern leichter eine Auszeit vom Beruf nehmen können, wenn sie sich um ihre Enkel kümmern.“ Neben Kindertagesstätten spielten auf dem Land die „Tagesmütter“ eine wichtige Rolle. „Ihre Qualifikation werden wir weiter unterstützen und für ihre faire Bezahlung eintreten.“ Die Wahlfreiheit in der Kindererziehung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien auf dem Land genauso wie in den Städten zu gewährleisten, heißt es in der Beschlussvorlage.

          Der Text, der nun von CDU-Generalsekretär Gröhe an die Vorstandsmitglieder sowie die Vorsitzenden der Landesverbände der CDU verschickt worden war, trägt den Titel „Starkes Land – gute Heimat: Unser Programm für lebendige ländliche Räume.“ Die Arbeiten an dem Text begannen im vergangenen Jahr. Es sei auch in den Gliederungen der Partei darüber diskutiert worden, heißt es. Der demographische Wandel betreffe die ländlichen Gebiete „früher und härter“ als die städtischen Ballungsräume. Die CDU als Kommunalpartei habe sich mit der Angelegenheit deshalb besonders zu befassen.

          „Hochmotivierte Mitarbeiter“ im ländlichen Raum

          In dem Papier heißt es: „Wir wollen, dass die ländlichen Räume ihren Bewohnern eine gute Heimat bleiben. Die Menschen sollen dort auch morgen noch ein gutes und chancenreiches Leben führen können.“ Die Impulse dazu müssten aus den Regionen selbst kommen. In einem Abschnitt über Arbeitsplätze heißt es, Frauen sollten „gezielt als Existenzgründerinnern“ gewonnen werden.

          Die Beschlussvorlage enthält eine Fülle fachpolitischer Details. Der Tourismus auf dem Lande, etwa Urlaube auf Bauernhöfen, solle gefördert werden. Der ländliche Raum sei als Wirtschaftsstandort attraktiv, weil Unternehmen hier „hochmotivierte Mitarbeiter“ fänden. Er könne auch für „qualifizierte Zuwanderer“ attraktiv werden. Dafür sei eine „Willkommenskultur“ unverzichtbar. Der Breitbandausbau sei von zentraler Bedeutung. Die bisherige Grundversorgung auf dem Lande reiche „längst nicht aus“.

          Die CDU werde auch die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur weiterhin unterstützen. „Angesichts der Stabilität und Vorhersagbarkeit des Rückgangs der Schülerzahlen in vielen ländlichen Regionen muss eine stärkere Konzentration auf zukunftsfähige Schulstandorte erfolgen.“ Schließlich heißt es in der Vorlage, Sicherheit sei die Voraussetzung für ein positives Heimatgefühl. „Die CDU setzt sich deshalb für eine bürgernahe Polizei ein, die sofort vor Ort erreichbar und schnell am Ort des Geschehens ist.“

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