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Große Luftlandeübung der Army : Dropzone Oberpfalz

Nach einer Stunde sind alle Fallschirmspringer am Boden Bild: dpa

Mit der größten Luftlandeübung in Deutschland seit vielen Jahren demonstriert die amerikanische Armee samt Nato-Partnern ihre Kampfbereitschaft. Angesichts des Ukraine-Konflikts ist klar, wem dieses Signal gilt.

          Es dauert gut eine Stunde, bis alle Springer am Boden sind. Aus etwa 300 Meter Höhe sind sie über einem großen Feld aus den Maschinen gesprungen. Auf dem Acker nur wenige hundert Meter vom nächsten Dorf entfernt versammeln sie sich in kleinen Gruppen, überprüfen ihre Ausrüstung und bewegen sich dann in Kampfformation Richtung Waldrand. Gut fünf Kilometer müssen sie hinter den feindlichen Linien bis zu ihrem eigentlichen Ziel zurücklegen: einer strategisch wichtigen Stellung, die sie in den nächsten Stunden einnehmen und sichern sollen.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kampfbereitschaft und Entschlossenheit demonstrieren – das ist das Ziel des großen Luftlandemanövers „Saber Junction“, an dem derzeit mehr als 5000 Soldaten aus 15 Nato- und Nato-Partner-Staaten in der Oberpfalz teilnehmen. Im Rahmen der Übung werden fast 1000 Fallschirmjäger aus Großbritannien, Italien und den Vereinigten Staaten in der Nähe des Truppenübungsplatzes Hohenfels abgesetzt. Den Großteil stellen dabei die Soldaten der 173. Brigade der amerikanischen Army, die auf diese Weise ihre weltweite Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen und das Zusammenspiel mit Einheiten verbündeter Nationen trainieren sollen. Ihr Absprung aus 18 im italienischen Aviano gestarteten, amerikanischen Transportflugzeugen wird von zahlreichen Schaulustigen beobachtet, denn das Spektakel findet außerhalb des weitläufigen Übungsgeländes statt – in dieser Größenordnung zum ersten Mal seit den achtziger Jahren.

          Übung sei auch Botschaft „nach außen“

          Die Armee hat die „Dropzone“ – mit Zustimmung der deutschen Behörden – außerhalb ihres üblichen Trainingsareals vorbereitet, weil eine Luftlandeübung mit so vielen Teilnehmern innerhalb des Truppenübungsplatzes nicht möglich gewesen wäre. Dort findet im Anschluss allerdings der Rest der Operation statt, an der auch weitere Infanterie- und Panzereinheiten teilnehmen und einen multinationalen Kampfeinsatz unter realistischen Bedingungen trainieren.

          „Saber Junction“ ist in sich geschlossene Übung, aber gewissermaßen auch der Auftakt zu einem noch deutlich umfassenderen Nato-Manöver, das unter dem Namen „Anaconda“ im Juni in Polen und den baltischen Ländern stattfinden soll. Viele der Einheiten, die in diesen Tagen in der Oberpfalz trainieren, werden auch dort im Einsatz sein. Nach den Worten von Brigadegeneral Markus Laubenthal, dem ersten deutschen Stabchef der Army in Europa, dienen großangelegte Übungen wie diese nicht nur als Training für gemeinsame Einsätze der teilnehmenden Truppenteile. Sie sind seiner Meinung nach angesichts der Entwicklung in der Ukraine und des Vorgehens Russlands vor allem auch „ein starkes Signal“: Einerseits als Zeichen an die Nato-Partner, dass das Bündnis seine Verpflichtungen erfüllen könne und wolle. Andererseits aber auch als Botschaft „nach außen“.

          Zähes Ringen über Truppengröße in Europa

          Die 173. Luftlandebrigade der Armee, die bei „Saber Junction“ im Mittelpunkt steht, ist eine von zwei nach dem Kalten Krieg in Europa verbliebenen Kampfeinheiten des amerikanischen Heeres. Sie ist im italienischen Vincenza beheimatet und bildet zusammen mit dem in Vilseck in der Oberpfalz stationierten und mit Striker-Panzerfahrzeugen ausgerüsteten 2. Kavallerie-Regiment die knapp 10.000 Mann starken Gefechtsstreitkräfte der Vereinigten Staaten auf europäischem Boden. Zudem unterhält Washington rund 20.000 Soldaten in Unterstützungs- und Kommando-Einheiten, die überwiegend in Deutschland stationiert sind.

          Sprungbereit: Insgesamt trainierten 912 amerikanische, britische und italienische Soldaten in der Oberpfalz.

          Um den Verbleib der beiden Kampfbrigaden hatte es während der ersten Amtszeit von Präsident Barack Obama ein zähes Ringen zwischen den Befehlshabern der Army in Europa und den Verantwortlichen in Washington gegeben. Vor allem die kommandierenden Generäle Carter Ham und Mark Hertling hatten sich lange, aber letztlich vergeblich geben die Pläne des Verteidigungsministeriums gewehrt, lediglich zwei der bis dahin noch vier Kampfbrigaden auf europäischem Boden zu belassen. Sie führten als zentrales Argument stets die instabile Lage in Ost- und Südosteuropa an, vor allem aber die Notwendigkeit eines intensiven gemeinsamen Trainings amerikanischer Einheiten mit den Truppen anderer Nato-Staaten für gemeinsame Operationen wie etwa in Afghanistan. Am Ende konnten sie sich jedoch nicht gegen die Befürworter einer Truppenreduzierung und einer strategischen Hinwendung zum pazifischen Raum durchsetzen: Das Pentagon beließ nur die 173. Luftlandebrigade und das 2. Kavallerie-Regiment in Europa.

          Bald gepanzerte Army-Brigade nach Europa verlegt

          Diese Entscheidung von Anfang 2012 ist allerdings inzwischen revidiert worden – zumindest zum Teil. Zwar ist es bei der Stationierung von lediglich zwei Kampfeinheiten und einer amerikanischen Truppenstärke von insgesamt etwa 30.000 Soldaten geblieben. Wegen des aggressiven Vorgehens Russlands in der Ukraine und auf Drängen der baltischen Länder und Polens hat Washington aber nicht nur der von der Nato beschlossenen Aufstockung der schnellen Eingreiftruppe (NRF) auf 40.000 Mann zugestimmt und im Januar diesen Jahres die Erhöhung der Verteidigungsausgaben für Europa angekündigt. Anfang des Monats hat der amerikanische General Philip Breedlove, derzeit Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa, zudem bekannt gegeben, dass von Februar nächsten Jahres an eine zusätzliche gepanzerte Army-Brigade nach Europa verlegt wird und von Ende 2017 dann drei vollständig ausgerüstete Kampfeinheiten permanent auf europäischem Boden präsent sein werden.

          Eine solche Truppenaufstockung dürfte auch die Möglichkeiten für gemeinsame Übungen wie „Saber Junction“ und „Anaconda“ deutlich erweitern – eine Entwicklung, die von führenden Nato-Militärs wie Army-Stabchef Laubenthal sehr begrüßt wird. Denn regelmäßige, realistische Manöver stärken aus ihrer Sicht die Kampfbereitschaft und Abschreckungskraft der Nato und senden eine wichtige Botschaft an aggressive Mächte wie Russland.

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