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Große Koalition : Betriebssystem Angela M.

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Auf moderatem Kurs: Angela Merkel Bild: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel tritt nun ihre dritte Amtszeit an. Seit 2005 im Amt hat die Ostdeutsche dieses Land längst verstanden: Lege dich nicht fest, wenn du es nicht musst.

          So ist das, wenn Politik in die Schlussphase der Entscheidung tritt und das Grundgesetz zu seinem Recht kommt. „Der Bundespräsident hat mit Schreiben vom heutigen Tag dem Deutschen Bundestag vorgeschlagen, gemäß Artikel 63 Absatz 1 des Grundgesetzes Frau Dr. Angela Merkel zur Bundeskanzlerin zu wählen“, lautete die Mitteilung des Bundespräsidialamtes. Zum dritten Male hat ein Bundespräsident diese Zeilen dem Präsidenten des Deutschen Bundestages zugesandt. 2005 und 2009 war es Horst Köhler, das von Angela Merkel auserwählte Staatsoberhaupt, und nun ist es Joachim Gauck, der vor Jahr und Tag nicht ihr erster Kandidat gewesen war. An diesem Dienstag wird die CDU-Vorsitzende zum dritten Male zur Bundeskanzlerin gewählt werden. Bald wird sie Helmut Schmidt (SPD) an Amtsdauer im Bundeskanzleramt übertroffen haben und in dieser Hinsicht an dritter Stelle hinter den CDU-Politikern Helmut Kohl und Konrad Adenauer stehen.

          Eines aber hat Angela Merkel schon jetzt ihren Vorgängern voraus. Keiner von ihnen sonst hat mit unterschiedlichen Koalitionspartnern eine Bundesregierung geführt. Merkel hat sich das nicht ausgesucht. Niemals hat sie zwischen Bündnispartnern auswählen können – sie waren vorgegeben. Zwar haben sich hartnäckig immer die Vermutungen gehalten, eigentlich sei der CDU-Politikerin die Zusammenarbeit mit der SPD lieber. In Wirklichkeit aber ist es wohl so: Angela Merkel nimmt die Wirklichkeit so, wie sie ist. Die Realität ist für sie stärker als ihr Wille, diese zu verändern. Der Gedanke liegt ihr fern, nur von diesem oder jenem Partner zur Bundeskanzlerin gewählt werden zu wollen. Anders als die beiden Vorgänger, mit denen die in Hamburg geborene und familiär bedingt in der DDR Aufgewachsene nach der Wende persönlich zu tun hatte, ist sie in ihren Koalitionsoptionen offen. Helmut Kohl stand für „Schwarz-Gelb“, Gerhard Schröder für „Rot-Grün“. Merkel hätte sich an diesem Dienstag im Parlament bestimmt auch von einer schwarz-grünen Koalition zur Regierungschefin wählen lassen – wenn die Grünen es denn gewollt hätten. Sogar mit Jürgen Trittin wäre Merkel so freundlich und zuvorkommend umgegangen wie vordem mit Franz Müntefering und Peer Steinbrück und später dann mit Guido Westerwelle und auch Philipp Rösler. Kohl und Schröder waren anders, machtbewusst natürlich auch sie, doch im Kern auch zu cholerischen Ausfällen fähig. Wie das so ist: Nun werden die netten Geschichten verbreitet, wie gut sich Angela Merkel schon immer mit Sigmar Gabriel verstanden habe. Schließlich seien beide schon einmal Bundesumweltminister gewesen. „Von Konrad Adenauer stammt der Ausspruch: Wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung haben, taugen beide nichts. In diesem Sinne hat schon der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland eine gute Wegweisung für die möglichen Diskussionen innerhalb der großen Koalition gegeben“, hat Merkel gesagt.

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