https://www.faz.net/-gpf-vd2w

Die Kanzlerin in Grönland : Frau Merkels Gespür für Schau

  • -Aktualisiert am

„Hier wird der Klimawandel sichtbar, ja fassbar” Bild: AFP

Smilla heißt das Boot, auf dem Angela Merkel und Sigmar Gabriel durch Grönlands berühmtesten Eisfjord schippern. Zwei, die für ihre konkurrierenden Parteien das Thema Umweltschutz ganz groß machen wollen, besichtigen die Folgen der Erderwärmung. Wulf Schmiese hat sie beobachtet.

          Smilla heißt das kleine Boot, auf dem Angela Merkel durch Grönlands berühmtesten Eisfjord schippert. Es ist die Gegend an der Westküste nördlich vom Polarkreis, aus der Fräulein Smilla stammt, die Romanfigur. Nein, sagt die Bundeskanzlerin, sie habe den Thriller „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ des Dänen Peter Høeg leider nie gelesen. Nun aber fährt sie ebenso zwischen den Eisbergen in der Diskobucht wie dieses Fräulein Smilla, die eine misstrauische Naturwissenschaftlerin ist, die ihr Gespür für Schnee im ewigen Eis schärfen will, um geschehenes Unrecht aufzuklären. „Verstehen wollen heißt“, lautet ein Schlüsselsatz in dem Roman, „dass wir zurückzuerobern versuchen, was wir verloren haben.“

          Angela Merkel will auch verstehen, was verlorengeht, sagt sie. Und sie will die Welt davor schützen, dass es noch mehr wird, verspricht sie. Deshalb sei sie nach Grönland geflogen, wo die Gletscher schmelzen. „Hier wird der Klimawandel sichtbar, ja fassbar“, begründet Frau Merkel ihre Reise. „Wir müssen vorangehen, um aufzuhalten, was die Menschheit zur Erderwärmung beiträgt.“

          Alle filmen und knipsen die Kanzlerin

          Mit ihr auf dem Boot fährt Umweltminister Sigmar Gabriel. Er hat seiner Kanzlerin Lob gezollt für ihren Einsatz und beteuert, das Klimathema sei nicht parteipolitisch besetzt. Beide sagen, es gebe keinen Wettlauf zwischen CDU und SPD um die bessere Klimapolitik. Die Volksparteien hätten endlich begriffen, dass sie dem Willen des Volkes nachkommen müssten. „Gemeinsam müssen wir uns dafür stark machen“, sagt Gabriel.

          Das Duo aus Deutschland mit Ministerpräsident Rasmussen

          Eigentlich wollte er allein fahren. Dann aber ließ ihn die Chefin wissen, dass sie auf Grönland-Tour geht. Dänemarks Ministerpräsident Rasmussen hatte sie im Dezember eingeladen – wegen des Klimawandels. Gabriel bat daraufhin die Bundeskanzlerin: „Dann nehmen Sie mich mit.“ Ob er nun in ihrem Schatten steht? „Es geht um die Sache“, sagt Gabriel. Er kann offenbar damit leben, dass Ober Unter sticht.

          Nun stehen beide auf der Smilla – zwei, die für ihre konkurrierenden Parteien das Thema Umweltschutz ganz groß machen wollen. Dazu dient Frau Merkels Gespür für Schau. Denn um ihr Boot kreisen vier andere, beladen mit Kameramännern, Fotoreportern und Journalisten aus Dänemark, Grönland und Deutschland. Sie alle filmen und knipsen die einstige Umweltministerin und sich jetzt als Umweltkanzlerin gebende, wie sie gleich einer Polarforscherin im roten Anorak der Seenot-Rettungsgesellschaft auf die Eisschmelze hinter sich weist.

          Die Schmelze hat begonnen

          Die Opposition hat diese Bilder gefürchtet. Noch am Morgen des Donnerstags, als die Bundeskanzlerin und ihr Umweltminister aufbrachen zur Zweitagesreise, höhnte der Grünen-Vorsitzende Bütikofer: „Die Reisegruppe Merkel/Gabriel wird im schmelzenden Grönlandeis nicht das finden, das sie am dringendsten bräuchte: die politische Entschlossenheit zum konsequenten Handeln gegen den Klimawandel.“ Und der FDP-Vorsitzende Westerwelle gab ihnen warnend mit auf den Weg: „Es ist ein historischer Fehler, die Umweltpolitik auf Symbolik zu beschränken.“

          Eine grüne Mappe hat die Bundeskanzlerin bei sich auf dem Boot, in der Potsdams Institut für Klimaforschung ihr die jüngsten wissenschaftlichen Daten zusammengestellt hat. Es sind Stichpunkte, die gefährlich klingen: Grönland schmilzt rasant; Meeresspiegel seit 1993 pro Jahr um 3,1 Millimeter gestiegen, allein um 0,2 Millimeter im Jahr durch Grönlands Erwärmung; würde ganz Grönland schmelzen, stiege der Meeresspiegel um sieben Meter. Satelliten-Aufnahmen der weltgrößten Insel liegen bei.

          Weitere Themen

          Merkel for Future?

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Merkel for Future?

          Ist Friedrich Merz der lachende Dritte in der Frage um die Kanzlerkandidatur? In der Runde um Sandra Maischberger konnte er seine Ansichten zum Umgang mit der AfD jedenfalls schon einmal kundtun. Daneben wurden unter anderem der Klimawandel und der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke diskutiert.

          Xi betont unerschütterliche Freundschaft Video-Seite öffnen

          Besuch in Nordkorea : Xi betont unerschütterliche Freundschaft

          Chinas Präsident Xi Jinping ist der erste chinesische Staatschef seit 14 Jahren, der dem international weitgehend isolierten Nachbarland einen Besuch abstattet. China könnte eine wichtige Rolle im Streit um Nordkoreas Atomprogramm sein, rief die nordkoreanische Regierung aber auch dazu auf, das Gespräch mit den Vereinigten Staaten zu suchen.

          Wenn Grenzen überschritten werden

          FAZ.NET-Sprinter : Wenn Grenzen überschritten werden

          Wer war der Mann, der möglicherweise Walter Lübcke erschoss? Warum werden so viele Regeln des Anstands missachtet? Und wie steht es um die romantische Verklärung des Reisens? Um diese und andere Fragen geht es im FAZ.NET-Sprinter.

          Topmeldungen

          Konflikt mit Iran : Trumps Schlamassel

          Mit dem Abschuss einer Drohne ist eine neue Stufe in der Auseinandersetzung zwischen Amerika und der Islamischen Republik erreicht. Aus diesem Schlamassel gibt es keinen einfachen Ausweg.
          Sie sind international, weltoffen, ungebunden: Aber was wissen die liberalen Eliten noch vom Rest der Welt?

          Buch über Globale Eliten : Nur nicht so herablassend

          Die Globalisierung hat eine Elite hervorgebracht, die weltoffen, international und ungebunden ist. Carlo Strenger liest dieser liberalen Elite in seinem Buch die Leviten: Sie vergesse alle anderen gesellschaftlichen Schichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.