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Hermann Gröhe im F.A.S.-Gespräch : „Der wichtigste Pflegedienst ist die Familie“

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Vor großen Veränderungen in der Pflege: Hermann Gröhe im Januar auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin Bild: dpa

Im F.A.S.-Interview spricht Gesundheitsminister Gröhe über seine Pflegereform, fehlende Fachkräfte - und die neuen Sechzigjährigen.

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          Wer wird Sie einmal im Alter pflegen, wenn es nötig werden sollte, Herr Gröhe?

          Wie die meisten Menschen hoffe ich, dass ich das möglichst lang in der Familie erleben kann. Meine Frau und ich haben vier Kinder. Aber wir wissen, dass ihnen heute ein Arbeitsmarkt offensteht, der nicht am Ortsausgang endet, so dass unsere Kinder, wenn es so weit ist, vielleicht nicht in der Nähe sein werden.

          Es könnte auch „die Polin“ sein. Sie gilt ja als Alternative zum Altenpflegeheim.

          Deutschlands Pflegedienst Nummer eins ist nach wie vor die Familie. Deshalb werden wir die Unterstützung für pflegende Angehörige deutlich ausbauen. Aber auch wenn die Familie ausfällt, wollen wir dem Wunsch nachkommen, zu Hause gepflegt zu werden. Fachliche und persönliche Qualitäten von ambulanten Pflegekräften sind für mich aber keine Frage der Nationalität.

          Heute gibt es in Deutschland 2,5 Millionen Pflegebedürftige, in 15 Jahren wird es eine Million mehr sein. Wie dramatisch wird der Pflegenotstand?

          Sicher ist: Wir müssen uns als Gesellschaft insgesamt anstrengen, wenn wir mit den Entwicklungen Schritt halten wollen. Denn es steigt ja nicht nur die Zahl der Pflegebedürftigen, es gibt auch weniger junge Menschen. Deshalb müssen wir das Pflegesystem klug weiterentwickeln und die vorhandenen Mittel bestmöglich einsetzen.

          Dafür legen Sie nun einen Gesetzentwurf zur Pflegereform vor. Ihm liegt ein neuer Begriff der Pflegebedürftigkeit zugrunde. Was bedeutet das?

          Bisher ist unser Pflegebegriff von den körperlichen Einschränkungen eines Menschen bestimmt. Das ist zu einseitig. Es geht genauso um geistige und psychische Beeinträchtigungen. Nur wenn wir diese Seite ebenfalls berücksichtigen, können wir die individuelle Pflegebedürftigkeit besser erfassen und danach die Pflegeleistung ausrichten. Es geht auch darum, Pflege nicht nur als Prozess zu sehen, in dem jemand immer schwächer wird. Wir wollen auch die Potentiale stärken, die Pflegebedürftige noch haben. Die meisten Pflegebedürftigen wollen und können noch viel selbst, wenn man ihnen dabei gezielt hilft.

          Klingt gut. Aber was bedeutet es in der Praxis?

          Im Kern geht es um ein neues Modell der Begutachtung und Einstufung. Dazu starten wir in wenigen Tagen eine Erprobungsphase. Der Spitzenverband der Krankenkassen wird dieses Modell in zahlreichen Einrichtungen auf seine Praxistauglichkeit testen lassen. Wir werden parallel nach dem alten und nach dem neuen Modell begutachten. So können wir Fehler praktisch schon vor der Einführung des neuen Systems vermeiden. Und wir stellen sicher, dass die Verbesserungen tatsächlich beim Pflegebedürftigen ankommen.

          Also müssen die Pflegebedürftigen erst einmal abwarten?

          Im Gegenteil, die Pflegebedürftigen werden rasch von der Reform profitieren. Deutliche Leistungsverbesserungen wird es schon zum 1. Januar 2015 geben, im Umfang von 2,4 Milliarden Euro. Wir werden die Familienhilfen ausbauen und den Betreuungsschlüssel in Pflegeeinrichtungen verbessern. In einem zweiten Schritt sollen später noch einmal 2,4 Milliarden Euro ausgegeben werden. Mit diesem Geld wollen wir dann dem neuen Begriff der Pflegebedürftigkeit insgesamt gerecht werden.

          Was wird sich denn nach dem neuen Modell ändern?

          Bisher haben wir ein relativ starres und zum Teil auch ungerecht wirkendes Drei-Stufen-Modell, in Zukunft soll es fünf besser austarierte Pflegegrade geben. Beim alten Stufen-Modell gehen wir vom Zeitaufwand für die Pflege aus, der durch körperliche Beeinträchtigungen notwendig ist. Bei den neuen Graden werden psychische Beeinträchtigungen gleichermaßen erfasst.

          Wie viel Zeit brauchen Sie für die Reform?

          Das Ganze soll bis 2017 eingeführt und umgesetzt werden. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Wir wollen, dass es 2016 im Gesetzblatt steht.

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