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Thunberg über Merkel : „Sie hat eine riesige Verantwortung“

  • -Aktualisiert am

Greta Thunberg am Donnerstag in Berlin Bild: EPA

Genau zwei Jahre nach dem ersten „Schulstreik“ für mehr Klimaschutz trifft Greta Thunberg mit anderen Aktivistinnen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihre Forderung: mehr Mut und Weitsicht von Politikern und Führungsfiguren.

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          In den vergangenen Monaten war es eher still um die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ (FFF). Da die Schulen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen waren, konnten Schüler nicht, wie zuvor, freitags der Schule wegen einer Demonstration für den Klimaschutz fernbleiben. Auch von der Initiatorin der Bewegung, Greta Thunberg, hatte man seit ihrer Reise mit dem Segelboot nach New York zu den Vereinten Nationen nur noch wenig mitbekommen.

          Doch nun regt sich wieder etwas: Am Donnerstagmorgen empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel Thunberg und drei weitere führende FFF-Aktivistinnen zu einem 90-minütigen Gespräch in Berlin. Anlass war ein offener Brief der vier Aktivistinnen an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union mit der Forderung, die Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel zu verstärken. Der Brief richtete sich besonders an die deutsche EU-Ratspräsidentschaft.

          „Es ist deutlich geworden, dass wir aus sehr verschiedenen Blickwinkeln auf die Situation schauen“, sagte Luisa Neubauer, die Sprecherin der FFF-Bewegung in Deutschland in der anschließenden Pressekonferenz über das Gespräch mit Merkel. Die Kanzlerin selbst nahm nicht an der Pressekonferenz teil, da sie zu einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emanuel Macron in Frankreich erwartet wurde. „Merkel hat gesagt, als Physikerin verstehe sie das wissenschaftliche Problem des Klimawandels. Aber als Politikerin verstehe sie die Schwierigkeiten, etwas dagegen zu unternehmen“, sagte Neubauer.

          Zogen mit ihrer Klimabotschaft nach Berlin: Luisa Neubauer, Greta Thunberg und die  Belgierinnen Anuna de Wever van der Heyden und Adélaïde Charlier
          Zogen mit ihrer Klimabotschaft nach Berlin: Luisa Neubauer, Greta Thunberg und die Belgierinnen Anuna de Wever van der Heyden und Adélaïde Charlier : Bild: EPA

          Merkel habe in dem Treffen zumindest ihren Willen, die Dinge in die Hand zu nehmen, ausgedrückt. Man habe beispielsweise über Handelsabkommen und die Bepreisung von CO2-Emissionen gesprochen. Die Aktivistinnen seien „sehr froh“ über Merkels Aussage, sie werde das Freihandelsabkommen Mercosur in seiner jetzigen Form nicht unterzeichnen. Das Abkommen gilt als umstritten. Kritiker befürchten, es könne zur weiteren Abholzung des Amazonas-Regenwalds und somit der Vertreibung indigener Gruppen beitragen. „Aber letztendlich geht es um konkrete Maßnahmen. Wir brauchen mehr als große Worte“, sagte Neubauer.

          Trotz Corona soll weltweit demonstriert werden

          Thunberg, die an diesem Donnerstag vor genau zwei Jahren zum ersten Mal die Schule streikte, um vor dem schwedischen Parlament für mehr Klimaschutz zu demonstrieren, sagte: „Was wir wollen, sind Anführer. Anführer, die es wagen, sich aus ihrer Komfortzone herauszubewegen und den Mut beweisen, sich um die Menschen zu kümmern.“ Über Merkel sagte sie: „Sie hat eine riesige Verantwortung, aber auch eine riesige Chance, so eine Anführerin zu werden.“ Die Kanzlerin sei „nett“ und „sehr freundlich“ gewesen. Die belgische Klimaaktivistin Adélaïde Charlier, die ebenfalls an dem Treffen teilgenommen hatte, sagte, Merkel habe versprochen, sie würde es in Erwägung ziehen, in Zukunft mutiger zu sein.

          Die Klimakrise habe sich in den vergangenen Monaten nicht verlangsamt, sondern eskaliere immer weiter, sagte Neubauer. Darum sei es notwendig, dass die Menschen die Politik weiter zum Handeln aufforderten. FFF habe sich nach langem Überlegen dazu entschlossen, trotz der Corona-Pandemie wieder zu Demonstrationen aufzurufen. Am 25. September sollen im Zuge eines globalen „Aktionstag für das Klima“ weltweit Proteste stattfinden. In Deutschland seien mehrere hundert Protestmärsche geplant – immer mit Rücksicht auf die Corona-Regeln, sagte Neubauer.

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