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Fridays for Future in Berlin : Die Klimakrise kennt keine Sommerferien

  • -Aktualisiert am

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg am Freitag in Berlin Bild: Reuters

Trotz Sommerferien haben in Berlin tausende Menschen für den Klimaschutz demonstriert. Darunter Schüler, Lehrer und ganze Familien. Auch Greta Thunberg war vor Ort – und sprach von einem Kampf um Leben und Tod.

          Eine halbe Stunde vor Beginn der „Fridays for Future“-Demonstration ist der Invalidenpark in Berlin noch recht leer. Auf der Bühne läuft der Soundcheck, kleine Gruppen von Schülern mit ihren Lehrern und Eltern stehen und sitzen auf dem Gras um das Invalidendenkmal herum und unterhalten sich. Auf dem Boden neben ihnen liegen selbst gemalte Plakate. Viele Eisbären kann man da erahnen, brennende Erdkugeln und Forderungen nach einer CO2-Steuer, nach teureren Flügen und der Abkehr von Fleisch und Milchschokolade. Ob die Schulferien in Berlin und Brandenburg den Veranstaltern wohl einen Strich durch die Rechnung machen? Ein Schulstreik in der unterrichtsfreien Zeit ist schließlich ein gewagtes Unterfangen. „Ob mit oder ohne Schule – das ist doch egal“, sagt die 16 Jahre alte Liza aus Berlin. „Wir sind so oder so wegen der Klimakrise hier. In den Ferien kristallisiert sich dann heraus, wer wirklich dafürsteht und wer nicht.“

          Die Kinderpädagogen Sascha und Toni sind trotz Schulferien mit einer Gruppe Schüler von ihrer Berliner Grundschule zur Demonstration gekommen. Der gemeinsame Ausflug ist Teil des von ihnen organisierten Ferienprogramms. In Zukunft möchten sie aber auch während der Schulzeit mit den Kindern zu den Freitagsdemonstrationen gehen und erhoffen sich dafür Unterstützung von der Schulleitung. Momentan gebe es für das vermeintliche Schulschwänzen noch wenig Verständnis.

          Auch Henriette, Mutter von Leonora (12) und Elma (8), ist heute gerade aufgrund der Schulferien gekommen. Sie freut sich, dass ihre Kinder keinen Unterricht verpassen müssen:„Leonora hat gerade die siebte Klasse abgeschlossen. Das ist in Berlin die Bewährungsklasse, in der sich entscheidet, ob die Schüler auf der Schule bleiben dürfen. Da bin ich dann, was das Schulschwänzen angeht, nicht so entspannt.“

          Es sind auch Familien von außerhalb vor Ort, die ihre Ferien in Berlin verbringen und die Gelegenheit beim Schopfe packen, mit ihren Kindern eine Hauptstadt-Demo zu besuchen. Die sieben Jahre alte Linda und ihre große Schwester sind mit ihren Eltern aus Salzburg zu Besuch in Berlin. Papa Philipp sagt: „Wir dachten, so eine Klimademo zu besuchen wäre schon gut, solange wir hier sind. Und als wir dann erfahren haben, dass Greta kommt, haben wir uns endgültig dafür entschieden, heute herzukommen.“ Er habe aber schon mit mehr Leuten gerechnet.

          Langsam füllt sich der Invalidenpark aber doch mit Demonstrierenden. Inzwischen ist es kurz vor zehn Uhr. Vor der Bühne verdichtet sich die Menschenmenge. Kinder und Erwachsene blicken gespannt Richtung Mikrofon, die Fotografen halten bereits ihre Kameras im Anschlag. Alle warten auf Greta Thunberg. Die 16 Jahre alte Begründerin der „Fridays for Future“-Bewegung ist für die heutige Demonstration als Stargast angekündigt. „Greta ist so ein Idol für mich“, sagt Zehntklässlerin Lilli. Sie ist mit ihrer Schulklasse aus Würzburg gerade auf Klassenfahrt in Berlin. „Als wir erfahren haben, dass diese Demo stattfindet, während wir hier sind, war sofort klar: Da müssen wir hin!“ Ihre Lehrerin sei selbst bei „Teachers for Future“ aktiv und sofort einverstanden gewesen. Lilli und ihre Freundinnen posieren noch schnell für ein Gruppenfoto vor der Bühne. „Heute hier zu sein ist eine ganz besondere Erfahrung.“

          „Enough is enough!“

          Um kurz nach zehn Uhr betritt das Moderatorenteam die Bühne. Endlich geht es los! „Wir sind hier, weil die Klimakrise keine Ferien macht“, sagt die erste Rednerin, Clara, und erntet großen Jubel von der Menge. „Auch heute haben sich Tausende hier versammelt, um zu sagen: Genug ist genug!“, ruft ihr Nachfolger Leonhard ins Mikrofon. Die Menge ruft zurück: „Enough is enough!“. Schließlich hat „Fridays for Future“ den Anspruch, eine internationale Bewegung zu sein. Da dürfen englische Schlachtrufe nicht fehlen. Am stärksten ist die Resonanz beim selbstgewählten Slogan der Bewegung: „What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“ Ob man die Rufe wohl bis in die benachbarten Ministerien hört?

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