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Corona im Südwesten : Eine Grenze, wo keine mehr war

  • -Aktualisiert am

Improvisierte Grenze: Zwischen dem deutschen Lauterbach und der französischen Ortschaft Carling Bild: Frank Röth

Im Südwesten sind Deutschland und Frankreich längst zusammengewachsen. Hat die Freundschaft in der Pandemie einen Schaden genommen?

          6 Min.

          An der Grenze im saarländischen Lauterbach stehen noch die früheren Zollhäuser. Im deutschen lebt ein Tabak-Geschäft vom Grenzverkehr, im französischen eine Bäckerei. Nur derzeit nicht. Denn rüber darf hier keiner. Ein Plastikzaun markiert eine Grenze, von der kaum einer geglaubt hatte, dass sie jemals wieder unüberwindbar werden würde. Zwei Frauen nähern sich von beiden Seiten. Die eine Französin, die andere Deutsche. Sie reden, werfen sich Kusshände zu, eine Tüte wird hinübergereicht. „Dietschenbrot“ sei darin, „Deutschenbrot“, sagt die Französin. Das vermisse sie zurzeit so.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Es hat lange gebraucht, bis die einst verfeindeten Länder zusammenfanden. Aber mittlerweile gibt es so viel Verbindendes, dass die Leute hier an der Grenze gar nicht wissen, wo anfangen beim Aufzählen. Bei der „Sproch“ vielleicht, wie sie hier sagen, also bei diesem merkwürdigen Dialekt, Platt genannt, den die Alten beiderseits noch sprechen. Oder bei der Verwandtschaft. Denn fast jeder hat jemanden in der Familie, der „nach drüben geheiratet“ hat. Nicht zuletzt arbeiten hier seit langer Zeit viele jenseits der Grenze, die ja eigentlich keine mehr war. Früher, als es dem Osten Frankreichs noch besserging, fuhren die Saarländer in den Westen, heute kommen die Franzosen rüber zu Ford oder in die Krankenhäuser.

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