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Gotthardtunnel : Auf der Strecke

Das emphatische Lob der Beschleunigung des Schienenverkehrs entbindet nicht von der Analyse der Nebenwirkungen. Zugrunde geht das Weltkulturerbe zwischen Bonn und Bingen.

          In einer Zeit, in der die „Freude am Scheitern“ (Merkel) wie eine ansteckende Krankheit um sich greift, ist es nur allzu gut zu verstehen, dass es anlässlich der Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt nicht an großen symbolischen Gesten und Deutungen in fast welthistorischem Maßstab fehlt. Jedoch entbindet das emphatische Lob der Beschleunigung des Schienenverkehrs zwischen den Niederlanden und Norditalien nicht von der nüchternen Analyse der Nebenwirkungen und der Versäumnisse.

          Dass die Vorlaufstrecken ausgebaut werden müssen, ist seit den ersten Planungstagen bekannt. Die Holländer haben ihren Teil der Aufgabe in Gestalt der Betuwe-Lijn vorbildlich gelöst. Im Rheintal zwischen Karlsruhe und Basel deutet sich eine Streckenführung an, die den Anwohnern nicht den Schlaf raubt. Auf der Strecke bleibt mangels neuer, güterverkehrstauglicher Nord-Süd-Trassen das Mittelrheintal. Wer sterbende Städte besichtigen will, der braucht nicht in die Altmark zu fahren. Das am Bahnlärm zugrunde gehende Weltkulturerbe zwischen Bonn und Bingen bietet Anschauung genug.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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