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Jasper von Altenbockum (kum.)

Gorleben wird geschlossen : Die Lebenslüge der Grünen

Bald verfüllt: Blick in einen Stollen des Salzstocks in Gorleben. Bild: dpa

Lange konnten sich die Gorleben-Gegner als die Sieger der Geschichte fühlen. Mittlerweile ist klar: Im Wendland soll eine verirrte Energiepolitik unter den Teppich gekehrt werden.

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          Es ist nicht so, wie jetzt getan wird: Gorleben ist nicht deshalb als Endlager ungeeignet, weil die Bundesgesellschaft für Endlagerung vor einem Jahr eine entsprechende Expertise abgegeben hatte. Das erste Gutachten der Gesellschaft, die einen neuen Standort für ein Endlager suchen soll, passte seine Schlussfolgerungen nur an die politische Lage an. Etliche andere mögliche Standorte waren ähnlich „ungünstig“ wie Gorleben, blieben aber im Rennen. Dass das Erkundungsbergwerk im Wendland geschlossen und wieder aufgefüllt wird, geschieht einzig und allein, um Gras über einen jahrzehntelangen Streit wachsen zu lassen.

          In der Tat ist zu wünschen, dass nun, wie der sozialdemokratische niedersächsische Umweltminister Olaf Lies sagte, die Wunden heilen mögen, die in dieser Zeit geschlagen wurden. Die SPD denkt dabei aber leider ebenso wenig wie die Grünen an die Ingenieure, Geologen, Arbeiter und Angestellten, die angefeindet wurden, sondern vielmehr an die Bürger, Aktivisten und Politiker, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckten.

          Deutschland sucht sich den bequemsten aller Wege aus

          Lange konnten sie sich als die Sieger der Geschichte fühlen. Mittlerweile aber ist klar: Erstens braucht Deutschland noch immer ein atomares Endlager, ohne zu wissen, ob es einen besseren Standort gibt als Gorleben; und zweitens ist die Technik, die über den Umweg der Endlagersuche verteufelt wurde, im Zeitalter des Klimawandels nicht so umweltfeindlich, wie immer getan wurde. Darin steckt eine Lebenslüge der Grünen, die mit der Behauptung, frühere Generationen hätten beim Klimaschutz versagt, auf die Spitze getrieben wird.

          Gorleben steht auch in anderer Hinsicht dafür, dass Deutschland sich einen einsamen, aber auch den bequemsten aller Wege aussucht. Im Wahlkampf wird allenthalben beteuert, dass in der Energiepolitik alles viel schneller, größer, besser werden muss. Wer sich das Panorama aber anschaut, muss zu dem Schluss kommen, dass Deutschland zum Stromimporteur wird – Kohle- und Kernkraft inklusive. Jede Schaufel, die Gorleben wieder füllt, erweckt deshalb den Eindruck, dass sie etwas unter den Teppich kehren soll.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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