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Görlitzer Park in Berlin : „Was brauchst Du? Marihuana, was anderes?“

Brennpunkt: Mitarbeiter der Polizei untersuchen im Görlitzer Park einen Tatort. Bild: dpa

Der „Görli“ könnte einer der schönsten Erholungsparks Berlins sein – er ist die bekannteste Drogenmeile der Stadt. Die Anwohner leiden unter den chaotischen Zuständen. Doch ihre Haltung zu den Dealern ist uneins.

          8 Min.

          Es ist ein Donnerstagmittag, kurz vor halb zwölf, und man muss gar nicht bis zum Park laufen. Schon an der U-Bahn-Station Görlitzer Bahnhof steht ein Afrikaner und fragt, ob man etwas braucht. „Marihuana?“ Sieben Gramm kosten 60 Euro. Er komme von der Elfenbeinküste, seit fünf Jahren verkaufe er hier, erzählt der junge Mann. Erst sei er zur Schule gegangen, aber nachdem er einen Monat lang geschwänzt habe, sei er rausgeflogen und habe seine Wohnung verloren. Seitdem lebe er im Park. Einige hundert Meter weiter stehen zwei andere Afrikaner an der Wiener Straße, sie sollen den Stoff haben. Heute sei viel Polizei unterwegs, sagt der Mann vom U-Bahnhof. Gleich am Eingang des Parks hält sich ein Dutzend Afrikaner auf. Sie fragen: Was brauchst Du? Marihuana, was anderes? Zwei der Dealer streiten sich, wer bei dem erhofften Verkauf zum Zuge kommen soll. Ein dritter kommt hinzu. Der Streit wogt eine Weile lautstark hin und her, schlägt aber nicht in Aggression um. Es gibt schließlich genügend andere potentielle Kunden.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Überall im Park stehen schon zu dieser Uhrzeit Gruppen von Afrikanern. Dazwischen spazieren Väter und Mütter mit Kinderwagen, Kitagruppen tollen auf dem Spielplatz, Leute führen ihre Hunde aus. Jogger und Radfahrer sind unterwegs, Leute von der Stadtreinigung räumen Laub weg, eine Fußballwiese wird gemäht. Am Parkrand stehen zwei Polizeifahrzeuge, ein Beamter stochert mit einem Stock im Gebüsch. Nicht weit davon spricht ein Afrikaner an einem Seiteneingang Besucher an. Ein Pärchen will etwas kaufen, gleich bringe ein Mann den Stoff, wird ihm beschieden. Es ist halb eins, erste Partytouristen kommen in den Park. Zu 70 Prozent wird hier mit Cannabis gehandelt, die restlichen 30 Prozent machen vor allem Kokain und Ecstasy aus. Nicht weit entfernt liegen die beliebten Clubs an der Warschauer Straße.

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