https://www.faz.net/-gpf-u88h

Gnadengesuch : „Entscheidung über Klar erfordert Zeit“

  • Aktualisiert am

Köhler: „Leid und Schmerzen” der Opfer „sind mir bewusst” Bild: ddp

Christian Klar kann nicht mit einer baldigen Entlassung aus der Haft rechnen. Die Entscheidung über das Gnadengesuch des früheren RAF-Terroristen werde „noch geraume Zeit erfordern“, ließ Bundespräsident Köhler verlauten.

          1 Min.

          Das ehemalige RAF-Mitglied Christian Klar kann einem Zeitungsbericht zufolge nicht mit einer baldigen Entlassung aus der Haft rechnen. Bundespräsident Horst Köhler schrieb in einem am Donnerstag bekanntgewordenen Brief an ein ehemaliges RAF-Opfer, die Entscheidung über das an ihn gerichtete Gnadengesuch Klars werde noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

          „Angesichts der vielen einzubeziehenden Gesichtspunkte“ werde seine Entscheidung noch geraume Zeit erfordern“, zitiert die „Bild““-Zeitung aus einem Brief Köhlers an Beate Keller. Keller war 1977 an Bord einer Lufthansa-Maschine nach Mogadischu entführt worden. Mit der Aktion sollten inhaftierte RAF-Mitglieder freigepresst werden. Keller hatte dem Bericht zufolge brieflich an Köhler appelliert, Klar nicht vorzeitig frei zu lassen.

          „Leid und Schmerzen noch einmal durchleben“

          In dem Brief vom 2. März schreibt Köhler laut der Zeitung, ihm seien „Leid und Schmerzen, die sie wie andere Betroffene durch die Verbrechen der RAF erfahren haben und die sie gegenwärtig durch die äußerst intensive Diskussion in der Öffentlichkeit einmal mehr durchleben müssen, sehr bewusst“.

          Streit um Klars Grußbotschaft

          Klar hatte zuletzt mit einer antikapitalistischen Grußbotschaft vor allem in der Union massive Kritik ausgelöst. Der seit fast einem Vierteljahrhundert inhaftierte 54-Jährige hatte eine „Niederlage der Pläne des Kapitals“ propagiert. (Siehe auch: Klar hofft weiter auf „Niederlage“ des Kapitals)

          Daraufhin schloss der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll Hafterleichterungen aus. Unionspolitiker forderten, Köhler solle das Gnadengesuch Klars ablehnen. (Siehe auch: „Klar in altem Denken verhaftet“)

          Das frühere Mitglied der linksradikalen Rote Armee Fraktion (RAF) war wegen der Morde an Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und an dem Bankier Jürgen Ponto zu fünf Mal lebenslanger Haft verurteilt worden. Ohne einen Gnadenakt Köhlers könnte er frühestens 2009 freikommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.