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Studium ohne Abitur : Gleicher Hochschulzugang für Meister

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Vom Meister zum Master: In Baden-Württemberg soll das bald ohne Einschränkungen möglich sein Bild: AP

Ein Studium ohne Abitur ist beruflich Qualifizierten in Deutschland schon lange möglich. Doch die Bundesländer haben verschiedene Voraussetzungen für den Zugang. Baden-Württemberg will seine Regeln nun stark lockern.

          Baden-Württemberg will Meister und Abiturienten beim Hochschulzugang gleichstellen. Das sieht ein Gesetzentwurf zum Hochschulrecht vor, den das Kabinett in Stuttgart verabschiedet hat und der nun in den Landtag eingebracht werden soll. Mit dem neuen Gesetz will das Land neue Akzente im Hochschulsystem setzen und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschulbildung verbessern. „Meistern und Gleichgestellten steht damit der allgemeine Hochschulzugang offen - in gleichem Umfang wie Abiturienten“, sagte Wissenschaftsminister Frankenberg (CDU). Erforderlich sei künftig nur ein Beratungsgespräch an der Hochschule zur Festigung der Studienentscheidung, jedoch keine Eignungsprüfung.

          Auch andere beruflich Qualifizierte könnten künftig unter bestimmten Voraussetzungen ein ihrer Berufsausbildung oder -tätigkeit fachlich entsprechendes Studium aufnehmen, sagte Frankenberg. Erforderlich sei für diese Studienbewerber allerdings eine Eignungsprüfung an einer Hochschule. „Wir haben als Ergebnis der Anhörung zusätzlich eine Regelung aufgenommen, die auch die Anrechnung von Familienarbeit als Berufserfahrung für einschlägige Studiengänge vorsieht. Familienarbeit erfordert ein hohes Maß an Kompetenz, Verantwortung und Selbständigkeit - dem wollen wir Rechnung tragen“, sagte der Minister weiter.

          Fachhochschulen werden „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“

          Zudem sollen die Fachhochschulen künftig die gesetzliche Bezeichnung „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ tragen - auch die Fachhochschulen für den öffentlichen Dienst. Bei der Auswahl von Studierenden können die Hochschulen künftig neben Tests und Auswahlgesprächen auch Motivationsschreiben und schriftliche Abhandlungen heranziehen. Damit wird der Kriterienkatalog um weitere international übliche Kriterien ergänzt. In die Auswahlentscheidung muss mindestens ein schulisches und ein außerschulisches Kriterium einbezogen werden.

          Auch will die baden-württembergische Landesregierung bis zum Jahr 2012 weitere 4000 zusätzliche Studienplätze schaffen. Die zusätzlichen Studienplätze seien notwendig, um auf den doppelten Abiturjahrgang 2012 und auf die geburtenstarken Jahrgänge zu reagieren, teilte Frankenberg mit.

          Schon 2007 hatte das Land mit dem Ausbau von Studienplätzen begonnen, weil mit einer Zunahme der Zahl der Studienanfänger gerechnet worden war. Ursprünglich war im „Hochschulausbauprogramm 2012“ die Schaffung von 16.000 zusätzlichen Studienplätzen vorgesehen, jetzt werden es insgesamt 20.000 sein. „Wir stampfen drei Universitäten aus dem Boden“, sagte Frankenberg. Die Aufstockung des Programms kostet 56 Millionen Euro jährlich. Etwa 50 Infrastrukturstellen und 300 befristete Stellen für die Lehre werden geschaffen.

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