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Giftfund in Köln : Weitere Durchsuchungen in Hochhaus

  • Aktualisiert am

Im Einsatz: Polizist vor dem Wohnhaus des Verdächtigen Bild: dpa

Der am Dienstag festgenommene Tunesier soll in den vergangenen Wochen 250 bis 1000 Dosen des Gifts Rizin hergestellt haben. Die Polizei durchsucht nun weitere Wohnungen.

          Nach dem Fund von hochgiftigem Rizin in einem Hochhaus in Köln will die Polizei am Freitagmorgen mehrere leerstehende Wohnungen in dem Gebäude durchsuchen. Polizei und Bundeskriminalamt sowie Fachleute des Robert Koch-Instituts sind nach dpa-Informationen an Ort und Stelle. Der Einsatz soll im Zusammenhang stehen mit dem Fund einer größeren Menge des tödlichen Giftes Rizin im selben Haus. Es besteht der Verdacht, der am Dienstag gefasste verdächtige Tunesier habe Zugang zu weiteren Wohnungen gehabt, da bei ihm ein Schlüssel gefunden wurde, der zu weiteren zehn Wohnungen passen soll. Das Haus wird nicht evakuiert, berichtete eine dpa-Reporterin.

          Der Verdächtige hat nach Einschätzung des Verfassungsschutzpräsidenten „sehr wahrscheinlich“ einen Gift-Terroranschlag geplant. Die Auswertungen seien zwar noch nicht abgeschlossen, „allerdings ist es in der Gesamtschau der bislang vorliegenden Hinweise sehr wahrscheinlich, dass hier ein terroristischer Anschlag vereitelt werden konnte“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen der „Rheinischen Post“.

          Nach Informationen der Zeitung hätte die gefundene Menge zur Herstellung von hochgiftigem Rizin für 250 bis 1000 toxische Dosen, je nach Ausbringungsmethode auch für mehr gereicht.

          Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul hatte am Donnerstag schon gesagt: „Das Gefahrenpotenzial, was von ihm ausging, war schon relativ hoch.“ Nach Ansicht des Düsseldorfer Toxikologen Gerhard Fritz ist die geringste Dosis Rizin schon tödlich. „Es gibt kaum etwas, was gefährlicher wäre.“

          Der 29 Jahre alte Tunesier soll bereits seit mehreren Wochen biologische Waffen in seiner Wohnung hergestellt haben und bei der Produktion seines tödlichen Gifts weit fortgeschritten sein. Das Material zur Herstellung des hochgiftigen Rizin hatte der Tunesier sich nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft im Internet gekauft und seit Anfang Juni zusammengemischt. Es bestehe deswegen dringender Tatverdacht, hatte die Justizbehörde am Donnerstag in Karlsruhe mitgeteilt.

          Mittäter soll der Mann nach bisherigen Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums nicht gehabt haben. „Ich habe im Moment keinen Hinweis darauf“, sagte Innenminister Reul am Donnerstag in Düsseldorf.

          Der 29 Jahre alte Tunesier hatte den Verdacht der Sicherheitsbehörden geweckt, weil er auffällig im Internet eingekauft hatte. Unter anderem hatte Sief Allah H. bei einem Online-Versandhändler 1000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle gekauft. „Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her“, teilte die Bundesanwaltschaft mit. „Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden.“

          Der Bundesgerichtshof hatte bereits am Mittwochabend Haftbefehl erlassen. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein. Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert und am Dienstagabend festgenommen wurde. Spezialkräfte stürmten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus.

          Für die medizinische Untersuchung der Nachbarn des mutmaßlichen Giftmischers sieht die Stadt Köln keinen Anlass. Nach Aussagen von Experten des Robert Koch-Instituts sehe man keine Notwendigkeit, „Maßnahmen für Personen zu treffen, die sich außerhalb der Wohnung befanden“, erklärte die Stadt auf Anfrage.

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