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Giffeys Dissertation : Ein Doktorgrad ist kein Schmuckstück

Eine Frage des Kairos: Franziska Giffey Mitte letzter Woche Bild: dpa

Familienministerin Giffey versucht mit der Ankündigung, ihren Titel nicht mehr zu führen, die Affäre zu beenden. Doch einen Doktortitel kann man nicht ablegen wie ein ungeliebtes Schmuckstück. Was die FU jetzt tun muss.

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          Für Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) war am Freitag der Moment gekommen, um sich den Weg zur Spitzenkandidatur der Berliner SPD am 27. November und zur Kandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin zu ebnen. Denn die Freie Universität Berlin (FU) hat es ihr mit der misslungenen Überprüfung und dem bisher nur angekündigten zweiten Verfahren leichtgemacht, sich als Opfer universitären Versagens darzustellen. Viele fragen, was denn mit all den anderen ohne Rechtsgrundlage an der Charité erteilten Rügen geschieht, die nur deshalb nicht überprüft werden, weil die glimpflich Davongekommenen nicht im öffentlichen Rampenlicht stehen.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.


          Giffey gibt sich nach ihrer Ankündigung, den Doktorgrad nicht mehr führen zu wollen, bodenständig und volksnah: „Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von einem Titel. Was mich als Menschen ausmacht, liegt nicht in diesem akademischen Grad begründet“, teilte sie mit. Die Frage, warum sie jedoch als aktive Regionalpolitikerin so viel Wert auf das soziale Distinktionsmerkmal des akademischen Grades gelegt hat, dass sie sich im laufenden Betrieb und während einer Schwangerschaft eine Dissertation zugemutet hat, beantwortet das jedoch nicht, zumal die Arbeit schon damals daran krankte, dass das Thema keinerlei Distanz zu ihrer eigenen Tätigkeit erkennen ließ, sondern genau diese thematisierte.

          Giffeys Rücktrittsankündigung gilt nicht mehr


          Ihre Doktormutter Tanja Börzel ließ die Dissertation trotzdem zu und lobte sie in ihrem Gutachten gar als „äußerst kenntnisreich“ und „originell“, während der Zweitgutachter die Ergebnisse „nicht überraschend“ fand; die zweitbeste Note „magna cum laude“ trug er dennoch mit.


          Giffeys trotzige Reaktion, auf den Doktorgrad zu verzichten, enthält eine klare Botschaft an die FU: Was auch immer dort entschieden wird, selbst wenn es ein Entzug des Doktorgrades sein sollte, soll sie nicht mehr aufhalten. Sie wird ihre Entscheidung mit der Bundeskanzlerin abgesprochen haben, jedenfalls hieß es aus dem Kanzleramt, Merkel nehme Giffeys Entscheidung „mit Respekt“ zur Kenntnis. Ihre Ankündigung zurückzutreten, wenn der Doktorgrad entzogen wird, gilt für die Familienministerin längst nicht mehr. Sie wäre gern die erste Bundespolitikerin und spätere Landespolitikerin, die es politisch überlebt, mit allen Konsequenzen des Plagiats überführt worden zu sein.

          „Zu spät, um mit Anstand aus der Nummer herauszukommen“


          Aus der Politik kommt Gegenwind, selbst ihr Amtsvorgänger als Bezirksbürgermeister in Neukölln Heinz Buschkowsky (SPD) findet, Giffeys Verzicht komme „viel zu spät, um mit Anstand aus der Nummer herauszukommen“. Auch in der SPD wird ihre Entscheidung mit Skepsis gesehen. Schließlich liegen die Plagiatsaffären im Falle zu Guttenbergs und Schavans noch nicht so lange zurück, dass die Genossen vergessen haben könnten, wie scharf sie damals geschossen und im Falle eines Entzugs den Rücktritt gefordert hatten. Daran hat am Wochenende auch die CDU-Spitze erinnert. Es gehe jetzt darum, ob eine Exzellenzuniversität richtig gearbeitet habe oder ein Auge zudrücken wolle. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, erwarte man, dass die SPD ihre moralischen Maßstäbe für wissenschaftliche Plagiate wie in der Vergangenheit auslege.


          Möglicherweise hofft Giffey darauf, dass der Präsident der FU, der Mathematiker Günter Ziegler, auf eine abermalige Prüfung verzichtet. In seinem Ermessen läge das durchaus. Damit würde allerdings der immense Imageschaden für die Exzellenzuniversität nur noch vergrößert. Karl-Theodor zu Guttenberg hatte übrigens mit einem ähnlichen Schritt versucht, die untadelige Überprüfung seiner Dissertation durch die Universität Bayreuth abzuwenden – doch die ließ ihn nicht gewähren.

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