https://www.faz.net/-gpf-98h2y

Familienministerin Giffey : Erzieher sollen so viel wie Grundschullehrer verdienen

  • Aktualisiert am

Neu in der Bundesregierung: Familienministerin Giffey und Landwirtschaftsministerin Klöckner (r.) Bild: dpa

2600 Euro brutto Gehalt beziehen Erzieher im bundesweiten Schnitt. Viel zu wenig, sagt Franziska Giffey und warnt vor den Spätfolgen für die Gesellschaft.

          Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat eine deutlich besser Bezahlung von Erziehern gefordert. Diese sollte auf das Niveau von Grundschullehrern angehoben werden, schlug die SPD-Politikerin in der „Bild am Sonntag“ vor. „Kitas sind Bildungseinrichtungen“, sagte sie. „Und aus meiner Sicht verdienen Erzieherinnen und Erzieher, auch jene, die im Ganztagsbetrieb im Hort arbeiten, eine Bezahlung ähnlich wie Pädagogen, die etwa in der Grundschule arbeiten.“

          Es gehe schließlich um Menschen, „die in der Bildung arbeiten und die Basis für die Zukunft unserer Kinder und damit für die Zukunft der Bundesrepublik legen“, so Giffey. Außerdem würde eine Ausbildungsvergütung für angehende Erzieherinnen und Erzieher dazu führen, dass sich mehr junge Menschen für diesen Beruf entscheiden, sagte sie. Auf die Frage, wer dies alles bezahlen solle, antwortete die SPD-Politikerin: „Da sind alle gefragt, Bund und Länder.“

          Der Zeitung zufolge verdient ein Erzieher im Schnitt 2600 Euro brutto. In dieser Größenordnung liegen bei Grundschullehrern die Netto-Einstiegsgehälter. Deren Bezahlung ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

          Giffey sagte, Kinder müssten möglichst früh eine gute Förderung erhalten. Dafür seien mehr Kita-Plätze nötig. Außerdem müsse die Qualität der Kitas weiter verbessert werden. Dies gelte auch für die Ganztagsbetreuung an Grundschulen. Die dafür vom Bund vorgesehenen zwei Milliarden Euro seien nur ein erster Schritt.

          „Eins ist klar: Was wir heute nicht in unsere Kinder investieren, wird später viel, viel teurer“, so Giffey. „Im Moment verlieren wir noch viel zu viele Kinder.“ Die entscheidende Frage sei, wie man es schaffe, „dass möglichst alle Kinder - egal aus welchen Familienverhältnissen - in der Schule Erfolg haben, eine Ausbildung oder ein Studium beenden können“.

          Giffey: AfD gefährdet Gleichberechtigung

          Giffey ging in ihrem Interview auch auf die AfD ein. Sie sagte, durch die Rechtspopulisten sehe sie die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Deutschland durch die AfD für gefährdet. „Frauenrechte sind von vielen Seiten bedroht. Da muss ich mir nur die Fraktion der AfD im Bundestag angucken mit ihrem extrem geringen Frauenanteil. Es gibt die Gefahr, dass bereits erstrittene Rechte und Fortschritte ins Hintertreffen geraten. Dem müssen wir entgegenwirken“, sagte Giffey der Zeitung „Bild am Sonntag“.  Eine grundsätzliche Zunahme von Frauenfeindlichkeit durch den Zuzug von Flüchtlingen sieht Giffey so pauschal nicht: „Natürlich gibt es Menschen, die mit einem anderen Frauenbild in unser Land kommen. Denen muss man ganz klar sagen, dass das nicht geht.“

          Sich selbst bezeichnet die Ministerin als Feministin. An vielen Stellen in Deutschland sei Gleichberechtigung keine gelebte Praxis: „Es fängt bei der Besetzung von Führungspositionen an und zieht sich durch bis zur Frage, ob eine Frau sich ihren Ehemann allein aussuchen darf. Es gibt für mich keinen Unterschied zwischen einer Zwangsheirat und einer arrangierten Ehe. Auch die Wahl zwischen drei Cousins ist keine freie Partnerwahl.“ Sie selbst habe auch schon Diskriminierung erlebt, weil sie eine junge Frau sei, so Giffey. „Mich haben die Leute immer gern unterschätzt nach dem Motto ,lass das mal, Mädelchen'. Aber davon darf man sich nicht beirren lassen.“ Giffey rät anderen Frauen: „Weitermachen. Nicht unterkriegen lassen. Frauen können alles.“

          Weitere Themen

          Was sich 2019 alles ändert

          Neue Gesetze : Was sich 2019 alles ändert

          Eine Reihe von Neuregelungen können zum 1. Januar 2019 kommen – in der letzten Sitzung des Jahres gab der Bundesrat dafür grünes Licht. Eine Verfassungsänderung bremst die Länder aber erst einmal aus.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.