https://www.faz.net/-gpf-8xf38

In Berlin und weltweit : Gewalt am Mai-Feiertag

  • Aktualisiert am

2000 Menschen bei Kundgebung in Hamburg

Auf der Rückreise mit der Bahn stiegen dann nach Angaben der Polizei etwa 100 bis 150 Demonstranten aus der rechten Szene in Apolda in Thüringen aus. Beamte wurden mit Steinen und bengalischem Feuerwerk angegriffen. Etwa 100 Menschen seien am Montagnachmittag vorläufig festgenommen worden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Gera der Deutschen Presse-Agentur.

Teilnehmer eines geplanten Aufmarsches der rechtsextremen Szene warten in Halle auf den Beginn der Veranstaltung.
Teilnehmer eines geplanten Aufmarsches der rechtsextremen Szene warten in Halle auf den Beginn der Veranstaltung. : Bild: dpa

In Hamburg beteiligten sich mehr als 2000 Menschen an einer Kundgebung linksextremistischer Gruppen. Die sogenannte revolutionäre 1.-Mai-Demonstration begann an der Sternschanze und bewegte sich mit Sprechchören in Richtung Jungfernstieg im Stadtzentrum. Zu Zwischenfällen kam es zunächst nicht, wie ein Polizeisprecher sagte.

Bei einem Demonstrationszug linker Gruppen durch die Stuttgarter Innenstadt ist am Montag eine 22 Jahre alte Polizistin verletzt worden. Sie wurde von einem unbekannten Demonstranten mit einem Holzstock in den Unterleib geschlagen, teilte die Polizei mit.

Ausschreitungen auch in den Vereinigten Staaten

In der Großstadt Portland im amerikanischen Bundesstaat Oregon hat es bei einer Mai-Kundgebung gewaltsame Ausschreitungen und mehrere Festnahmen gegeben. „Anarchisten“ hätten Steine, Flaschen und Dosen auf Polizisten geworfen und bei dem „Aufstand“ mehrere Geschäfte in der Stadt verwüstet, teilte die Polizei am Montag mit. Drei Menschen seien festgenommen worden.

In Portland ging die Polizei gegen gewalttätige Demonstranten vor, die unter anderem Feuer entzündeten.
In Portland ging die Polizei gegen gewalttätige Demonstranten vor, die unter anderem Feuer entzündeten. : Bild: Dave Killen/The Oregonian via AP

In mehreren weiteren amerikanischen Städten nahmen tausende Menschen an Demonstrationen zum 1. Mai teil, die sich meist gegen die umstrittene Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump richteten. In Chicago und Los Angeles blieben die Kundgebungen weitgehend friedlich.

In New York musste die Polizei eine Gruppe schwarz gekleideter und teils vermummter Demonstranten von einer Gruppe von Trump-Anhängern trennen, die Schilder mit Trumps Wahlkampfslogan „Make America Great Again“ trugen. Bevor die Beamten anrückten, standen sich beide Lager gegenüber und tauschten Beleidigungen aus, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Am Abend wurden in New York zwölf Menschen festgenommen, die vor der Bank JP Morgan demonstrierten.

Gewalt auch in der Türkei

In Istanbul ist der 1. Mai von Gewalt gegen Regierungskritiker überschattet worden. Die türkische Polizei ging mit aller Härte gegen eine Gruppe Demonstranten vor, die trotz eines Verbots zum zentralen Taksim-Platz marschieren wollte. Die Beamten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein. 165 Demonstranten wurden festgenommen. „Lang lebe der 1. Mai. Nein zum Diktator“, hieß es auf Bannern der linken Demonstranten im Istanbuler Stadtteil Gayrettepe.

Als rund 200 Demonstranten in Richtung des Taksim-Platzes zogen, schritt die Polizei ein. Zunächst meldete die Polizei 207 Festnahmen, später sprach sie von 165 Festnahmen. 139 der Festgenommenen hätten gegen das Demonstrationsverbot verstoßen. 17 Menschen seien festgenommen worden, weil sie Spruchbanner entrollen wollten. Die Polizei aktualisierte auch ihre Angaben zu beschlagnahmten Gegenständen: Am Sonntag und Montag seien in Istanbul 85 Molotowcocktails, 95 mit Farbe gefüllte Flaschen, 25 Feuerwerkskörper und mehrere Masken beschlagnahmt worden.  Allein in Istanbul waren wegen der Proteste zum 1. Mai rund 30.000 Polizisten im Einsatz.

Polizisten verhaften am 1. Mai einen Demonstranten in Istanbul.
Polizisten verhaften am 1. Mai einen Demonstranten in Istanbul. : Bild: AP

Der Gouverneur der Metropole erklärte, einige illegale Gruppen hätten versucht, die Feiern zum 1. Mai als „Vorwand“ für Proteste gegen die Regierung zu nutzen. Nach seinen Angaben kam ein Mensch bei einem Unfall beim Manöver eines Wasserwerfers ums Leben. Die Istanbuler Behörden hatten ein Demonstrationsverbot für den Taksim-Platz erlassen, auf dem seit den Gezi-Unruhen im Sommer 2013 keine Proteste mehr zugelassen werden. Der Platz war am Montag komplett mit Gittern abgeriegelt, auch die Zufahrtsstraßen waren in weitem Umkreis abgesperrt. Die Polizei war massiv präsent, die Metrostation war geschlossen.

An der offiziellen Mai-Kundgebung in Bakirköy beim Atatürk-Flughafen im Westen der Bosporus-Metropole nahmen mehrere tausend Menschen teil. Die Kundgebung fand zwei Wochen nach einem umstrittenen Referendum statt, bei dem eine knappe Mehrheit für die Ausweitung der Macht von Präsident Recep Tayyip Erdogan gestimmt hatte.

Weitere Themen

Topmeldungen

Mateusz Morawiecki und Ursula von der Leyen am Donnerstag in Brüssel

EU-Gipfel in Brüssel : Fast alle gegen Polen

Der Streit über die Rechtsstaatlichkeit in Polen geht auch auf dem EU-Gipfel weiter. Ministerpräsident Morawiecki will nicht nachgeben. Sein Land werde nicht „unter dem Druck von Erpressung“ handeln.
Wegen der Cum-Ex-Aktiendeals musste Olaf Scholz im April vor einem Untersuchungsausschuss in der Hamburger Bürgerschaft aussagen.

„Cum-Cum“ : 140 Milliarden Euro Beute durch Steuertricksereien

Die „Cum-Ex“-Deals sind inzwischen bekannt. Doch auch mithilfe anderer Modelle sollen Banken dem Fiskus Geld aus der Tasche gezogen haben – weit mehr als bisher gedacht. Möglicherweise dauert das auch immer noch an.
In sieben Wochen Kanzler? Kurz nach Nikolaus will sich Olaf Scholz vom Bundestag wählen lassen.

Ampel-Koalition : So wollen SPD, Grüne und FDP verhandeln

300 Unterhändler machen für SPD, Grüne und FDP die Einzelheiten des Koalitionsvertrags aus. In 22 Arbeitsgruppen ringen sie um Kompromisse. Doch die harten Nüsse müssen die Parteichefs selbst knacken.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.