https://www.faz.net/-gpf-7sjwq

Gewalt im Irak : Tausende Yeziden demonstrieren in Bielefeld

  • Aktualisiert am

Aus ganz Deutschland kamen Yeziden in Bielefeld zusammen, um gegen die Gewalt der Dschihadisten im Nordirak zu demonstrieren Bild: REUTERS

Friedlich haben am Samstagnachmittag in Bielefeld mehr als 6000 Yeziden gegen die Gewalt der Terrororganisation Islamischer Staat im Nordirak demonstriert. Deutsche Politiker diskutieren derweil über ein schärferes Vorgehen gegen Islamisten.

          Mehrere tausend Yeziden und irakischstämmige Christen haben am Samstag in Bielefeld gegen die Gräuel der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Nordirak demonstriert. „Das ist kein Krieg sondern Völkermord“, „Stoppt IS“, „Rettet die Christen“, stand auf Plakaten. Die Demonstration verlief bis zum Nachmittag friedlich, es seien keine Störer festgestellt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Nach einer Kundgebung mit Reden überwiegend in kurdischer Sprache begann ein Demonstrationszug durch die Stadt.

          In Deutschland leben nach Schätzung bis zu 90.000 Yeziden. Die Demonstranten verlangen humanitäre Hilfe und Schutz gegen die Terrormilizen im Nordirak. Am Nachmittag wurden laut Polizei mehr als 6000 Teilnehmer gezählt. Viele Frauen und Kinder waren dabei. Es wurden kurdische Flaggen geschwenkt.

          An der Demonstration nahmen auch viele irakischstämmige Christen teil, die genauso wie die Yeziden von den Terrormilizen vertrieben und verfolgt werden. Nach UN-Angaben sind seit Montag rund 200.000 Menschen im Irak aus ihren Häusern vertrieben worden - die meisten stammen aus christlichen und yezidischen Dörfern im Nordirak.

          Die Polizei hatte sich mit einem großen Aufgebot vorbereitet, nachdem am Mittwoch demonstrierende Yeziden wenige Kilometer von Bielefeld entfernt in Herford angegriffen worden waren. Sie hatten ein Plakat mit einem Demonstrationsaufruf gegen die Verfolgung der Yeziden im Irak in ein Schaufenster geklebt. Daraufhin wurden sie von mehreren Männern angegriffen, die meisten von ihnen stammten aus Tschetschenien.

          Das sei Gewalt, „die wir in unserem Land Nordrhein-Westfalen nicht dulden dürfen“, sagte der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Armin Laschet am Samstag im Radiosender WDR 5. Die Landesregierung müsse das Thema ernster nehmen, zumal einige Gruppierungen sich mit deutschen Rechtsradikalen vermischten, forderte der CDU-Bundesvize. Konvertierte Deutsche, die in den Krisenregionen gekämpft haben und wieder einreisten, müssten ständig beobachtet werden. In besonders schweren Einzelfällen solle auch der Pass entzogen werden.

          Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der dpa, es würden Optionen für Einreisesperren geprüft. Mehrere Unions-Politiker plädierten dafür, gefährlichen Islamisten die Einreise zu verwehren und ihnen auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. Rechtlich sei das allerdings schwierig.

          Die SPD kritisierte dagegen die Debatte. „Ich halte von diesen sich überschlagenden Forderungen gar nichts“, sagte SPD-Bundesvize Ralf Stegner dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Gesetzesänderungen lehnte er ab. Die Union wolle mit ihren „Stammtischattacken“ nur das Instrument der doppelten Staatsbürgerschaft diskreditieren.

          Weitere Themen

          Manchmal liegt das Glück ganz nah

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.