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Getötete Soldaten in Afghanistan : Merkel nimmt an Trauerfeier teil

  • Aktualisiert am

Die Opposition warf der Kanzlerin vor, die deutschen Soldaten in Afghanistan nicht genug zu unterstützen Bild: ddp

Kanzlerin Merkel wird an diesem Freitag erstmals an einer Trauerfeier für gefallene Soldaten teilnehmen. Es sei ihr „ein persönliches Anliegen“ den drei an Karfreitag bei Kundus getöteten Soldaten die letzte Ehre zu erweisen. Derweil geht die Debatte über die Afghanistan-Strategie weiter.

          Erstmals nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an einer Trauerfeier für in Afghanistan getötete Bundeswehrsoldaten teil. Merkel werde am Freitag zu der Gedenkveranstaltung für die drei bei Kundus getöteten Fallschirmjäger kommen, teilte ein Regierungssprecher am Donnerstag in Berlin mit.

          Die Teilnahme an der Trauerfeier sei der Kanzlerin „ein persönliches Anliegen“, erklärte der Regierungssprecher. Die Veranstaltung findet am Freitagnachmittag im niedersächsischen Selsingen statt. Die Bundesregierung wird dabei auch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vertreten sein.

          Erst vor einigen Wochen nach Afghanistan abkommandiert

          Die drei Soldaten waren am Karfreitag bei Gefechten in Afghanistan schwer verwundet worden und an ihren Verletzungen gestorben. Acht weitere Soldaten wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Zuvor hatten sich verschiedene Politiker für eine Teilnahme Merkels an der Trauerfeier ausgesprochen. Vor allem die Opposition warf der Kanzlerin bereits mehrfach vor, die deutschen Soldaten in Afghanistan nicht deutlich genug zu unterstützen.

          Die Bundeswehr rechnet damit, dass mehr als 1000 Teilnehmer zur St.-Lamberti-Kirche im niedersächsischen Selsingen kommen. Nach Angaben eines Sprechers der Luftlandebrigade 31 werden alleine 900 Kameraden der getöteten Soldaten anwesend sein. Um allen Trauergästen eine Teilnahme an dem Gottesdienst zu ermöglichen, soll dieser auch nach außen übertragen werden.

          Die Getöteten im Alter von 25, 28 und 35 Jahren waren erst vor einigen Wochen aus Seedorf nach Afghanistan abkommandiert worden. Medienberichten zufolge lebten sie in Selsingen, Hannover und Sachsen. Bereits am Sonntag hatte es im Feldlager der Bundeswehr in Kundus eine Trauerfeier für die Gefallenen gegeben.

          Panzerhaubitze für Afghanistan?

          Unterdessen ging die Debatte um die Ausrüstung der Bundeswehr weiter. Nach den jüngsten schweren Gefechten schließt der neue Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, den Einsatz schwerer Artillerie-Geschütze vom Typ Panzerhaubitze 2000 in Nordafghanistan nicht mehr aus. „Ich verlasse mich auf den Rat der Kommandeure vor Ort“, sagte Wieker der „Bild“-Zeitung. „Wenn man dort zu der Einschätzung gelangt, dass das notwendig und hilfreich ist, werden wir uns dem nicht verwehren.“ Wieker ist seit Januar Generalinspekteur und damit der oberste Soldat der Bundeswehr. Über den Einsatz der Panzerhaubitze, einem Geschützsystem, das Ziele in 30 bis 40 Kilometer Entfernung treffen kann, wird schon seit einiger Zeit kontrovers diskutiert.

          Wieker räumte zudem ein, dass der Bundeswehr zu wenig gepanzerte Fahrzeuge vom Typ Dingo zur Ausbildung der Soldaten zur Verfügung stünden. Die Forderung nach dem Einsatz von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 wies Wieker hingegen zurück. Diese Art der Abschreckung wirke in Afghanistan nicht, argumentierte er. Außerdem werde die afghanische Bevölkerung durch solche Panzer eher verstört. Den Einsatz von Leopard-Panzern in Afghanistan hatte der designierte Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmuth Königshaus (FDP), gefordert.

          Politiker der Linken kritisierten, der Tod der deutschen Soldaten werde instrumentalisiert, um den Kauf weiterer Waffen zu fordern. „Der einzig effiziente Schutz für die Soldaten ist der sofortige Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan“, erklärte Fraktionsmitglied Inge Höger. Der parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen, bekräftigte die Notwendigkeit einer speziell für Bundeswehr-Auslandseinsätze zuständigen Staatsanwaltschaft. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte van Essen: „Die heutige Rechtslage ist eine Zumutung für die deutschen Soldaten, die in Afghanistan unter Feuer stehen.“ Sie seien massiv verunsichert, weil sie in jedes Gefecht mit der Furcht vor einer Strafverfolgung in Deutschland gingen. Nach Angaben van Essens arbeitet die Bundesregierung „mit Hochdruck“ am Aufbau einer solchen Staatsanwaltschaft.

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