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Gesundheitswesen : Klinikärzte streiken gegen längere Arbeitszeit

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

„Uns reicht's - ab ins Ausland“: Mehr als tausend Krankenhausärzte vor allem in Baden-Württemberg und in Hessen haben am Montag aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in den Universitätskliniken die Arbeit niedergelegt.

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          Mehr als 1.400 Krankenhausärzte haben am Montag aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in den Universitätskliniken die Arbeit niedergelegt.

          Der Schwerpunkt der Aktionen lag in Baden-Württemberg und in Hessen. Für die Patienten in den betroffenen Kliniken in Frankfurt und Marburg, Tübingen, Freiburg, Ulm, Heidelberg und Mannheim wurde eine ärztliche Notversorgung eingerichtet.

          „Ab ins Ausland“

          Dem Auftakt am Montag sollen in den kommenden Tagen weitere Aktionen folgen. Am Freitag hat die Ärztegewerkschaft Marburger Bund zur zentralen Protestkundgebung in Berlin unter dem Motto „Uns reicht's - ab ins Ausland“ aufgerufen.

          In Stuttgart verliehen am Montag mehr als 1.000 Ärzte mit Pfeifkonzerten und Transparenten (“Mit uns kostet es Geld - ohne uns das Leben“) ihren Forderungen Nachdruck. In Frankfurt gingen am Vormittag rund 300 Mediziner auf die Straße. Sie verlangten ein Ende der „Ärzteausbeutung“ und ließen mit der Parole „Unsere Überstunden lösen sich in Luft auf“ mehr als 1.000 Luftballons in den Himmel steigen.

          In Berlin wollen am Freitag mehr als 1.000 Ärzte der Charite in einen Warnstreik treten. Dort fielen nach Angaben von Ärzten jeden Monat 85.000 unbezahlte Überstunden an.

          Marburger Bund: „Staatlicher Lohnraub“

          Die Proteste der Klinikärzte richten sich gegen die Kündigung der Tarifverträge für den öffentlichen Dienst durch die Länder. Seitdem müssen viele Ärzte eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf bis zu 42 Stunden ohne Lohnausgleich hinnehmen. Außerdem wird ihnen das Urlaubsgeld gestrichen und das Weihnachtsgeld auf 60 Prozent gekürzt.

          Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, warf den Bundesländern daher „staatlichen Lohnraub“ vor. Außerdem leisten die rund 146000 Klinikärzte in Deutschland nach Angaben der Gewerkschaft jährlich etwa 50 Millionen Überstunden, die zumeist nicht vergütet werden. Auch bewege sich die Vergütung im internationalen Vergleich auf einem „erbärmlichen Niveau“, kritisierte Montgomery.

          „Ärzteflucht ins Ausland“

          Aus dem europäischen Ausland gebe es „phantastische“ Angebote. So zahlten niederländische Kliniken einem jungen Facharzt nicht nur ein Anfangsgehalt von 145000 Euro, sondern der Staat stelle in den ersten zehn Jahren auch noch 30 Prozent des Gehalts steuerfrei. „Solange französische, britische und amerikanische Kollegen zwei- bis dreimal soviel verdienen, wird sich hierzulande an der Ärzteflucht ins Ausland und am Ärztemangel nichts ändern.“

          Mittlerweile könnten 6.000 offene Arztstellen in deutschen Krankenhäusern nicht besetzt werden. Zugleich seien mehr als 6000 deutsche Klinikärzte im Ausland tätig.

          Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnte unterdessen im Streit um Bereitschaftsdienste vor Personalengpässen und verlangte eine längere Übergangsfrist. „Das Wirtschaftsministerium hat eine absolute Null-Haltung, die tarifliche Übergangsfrist zu verlängern“, sagte DLG-Hauptgeschäftsführer Jörg Robbers am Montag in Berlin.

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