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Gesundheitsminister Klose : „Anzeichen, dass Delta in Hessen über 20 Prozent der Fälle dominiert“

  • Aktualisiert am

Der hessische Sozialminister Kai Klose. Bild: dpa

Laut Hessens Gesundheitsminister ist die Delta-Variante des Coronavirus in dem Bundesland stark auf dem Vormarsch. Auch die Bundeskanzlerin mahnt zur Vorsicht. Und Virologe Christian Drosten sagt: „In einer Woche sind wir schlauer.“

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          Trotz der derzeit entspannten Corona-Lage in Deutschland ist die als ansteckender geltende Delta-Variante des Virus auf dem Vormarsch. „Wir haben doch deutliche Anzeichen, dass Delta auch in Hessen mittlerweile schon über 20 Prozent der Fälle dominiert“, sagte Landesgesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Daran sehe man, „dass das sehr schnell geht“. Die Variante sei noch infektiöser als die Alpha-Variante, sagte Klose. „Aber wir haben keine Hinweise darauf, bisher jedenfalls, dass diese Variante noch mehr schwere Erkrankungen auslöst.“ Er gehe davon aus, „dass Delta sich relativ schnell durchsetzen wird und die vorherrschende Variante sein wird“.

          Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt erklärt, es sei nicht die Frage, ob, sondern wann Delta das Infektionsgeschehen in Deutschland dominieren werde. In Deutschland lag der Anteil der zunächst in Indien entdeckten Variante an den Corona-Neuinfektionen nach Daten des Robert Koch-Instituts Anfang Juni bei gut 6 Prozent (Woche vom 31. Mai bis 6. Juni). In Großbritannien ist sie bereits die dominierende Variante. Dort waren im April erste Fälle dieser Variante nachgewiesen worden. Anfang Mai machte Delta bereits rund ein Viertel der Fälle aus, Anfang Juni gab es fast nur noch Delta-Fälle.

          „Wir sind heute in einer Woche schon schlauer“

          Unterdessen sieht der Virologe Christian Drosten für Deutschland nach dem Wiederanstieg der Corona-Inzidenz in Großbritannien durch die Delta-Variante auch die Möglichkeit eines anderen Verlaufs. Es könne sein, dass die Lage vorerst relativ konstant bleibe, sagte der Leiter der Virologie der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ von NDR-Info. Er verwies zum Beispiel darauf, dass es nach Deutschland wohl keine so hohe Zahl an unabhängigen Eintragungen der Variante - etwa direkt aus Indien - gegeben habe. In Großbritannien gebe es zudem eine etwas andere Struktur in der Bevölkerung mit asiatischstämmigen Communitys, in denen das Virus anfangs hochgekocht sei. "Deswegen kann es auch sein, dass sich das bei uns nicht so einstellt."

          Drosten zufolge wäre es ein „sehr schlechtes Signal“, sollte sich in den neuen RKI-Daten eine Verdopplung des Anteils im Wochentakt zeigen. Da sich die Werte stets auf einen Zeitpunkt vor etwa zwei Wochen beziehen, sei das im Nachhinein nicht mehr kontrollierbar; es drohe in der Folgewoche wieder eine Verdopplung. „Wenn das so wäre, dann müssen wir eben uns darauf einstellen, dass andere Effekte so laufen wie sie in England nun mal gelaufen sind mit der Delta-Variante.“ Die Entwicklung des Anteils der Delta-Variante in Deutschland sei ein wichtiger Frühindikator, den man anschauen müsse, sagte Drosten. Statt Voraussagen über den Sommer zu machen, sei zu beobachten, was passiert. „Ich glaube, wir sind heute in einer Woche schon schlauer.“

          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die niedrigen Corona-Infektionszahlen in Deutschland derweil als sehr erfreulich bezeichnet, angesichts der weltweiten Entwicklung zugleich aber zur Vorsicht gemahnt. „Manche Mühe hat sich gut ausgezahlt“, sagte Merkel am Dienstag nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen der letzten Unionsfraktion-Sitzung vor der parlamentarischen Sommerpause in Berlin. Zugleich warnte sie: Die „Pandemie ist noch nicht vorbei“.

          In vielen Ländern der Welt gebe es noch keinen Impfstoff, sagte Merkel demnach. Die Impfstoffproduktion müsse beschleunigt werden. Abermals sprach sie sich gegen Forderungen aus, die Patente auf bestimmte Impfstoffe auszusetzen. Solche Patentrechte sollten nicht außer Kraft gesetzt werden. Vielmehr müsse man Vorsorge treffen, dass Firmen auch in Zukunft Impfstoffe entwickeln könnten.

          Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet erklärte, Antworten auf eine Pandemie seien nur global möglich. Es sei klug, dass die G-7-Gruppe der führenden westlichen Industriestaaten bei Corona den Süden der Erde in den Blick genommen habe. Der zentrale Beschluss des jüngsten G-7-Gipfels im südwestenglischen Cornwall ist das Versprechen, ärmere Länder im Kampf gegen die Corona-Pandemie stärker mit Impfstoff zu unterstützen als bisher.

          Laschet nannte die Pandemie demnach als Beispiel dafür, dass die wesentlichen Aufgaben nur weltweit gelöst werden könnten. Es gebe eine „Polypandemie“ – mehrere Aufgaben, die man nur weltweit klären könne. Er kritisierte, dass China Impfstoffe als politisches Druckmittel benutze, etwa in Afrika.

          Zudem gebe es schwere geopolitische Verschiebungen, sagte Laschet demnach. Es herrsche Einigkeit, dass der Kampf gegen den Klimawandel die nächsten Jahre beherrschen werde. Man müsse beim Klimaschutz globale Antworten finden und „auch mit Russland sprechen, auch wenn es schwer ist“, sagte Laschet nach Angaben der dpa.

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