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F.A.Z.-Konferenz : Was sich Mediziner wünschen

Erfährt medizinisches Personal genug Wertschätzung? Pfleger im Krankenhaus Havelhöhe Bild: dpa

Der Chef der kassenärztlichen Bundesvereinigung beklagt, dass es in fast jedem Gesundheitsberuf einen Mangel gibt. Die Berufe müssten attraktiver werden.

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          Mehr Geld, mehr Personal, mehr Digitalisierung: Die Forderungen, die Vertreter von Gesundheitsberufen an die nächste Bundesregierung stellen, sind vielfältig. „In fast jedem Gesundheitsberuf gibt es einen Mangel“, sagte Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, am Donnerstag auf der von der F.A.Z. und der Robert Bosch Stiftung organisierten Konferenz Gesundheit und Versorgung in Frankfurt. Gesundheitsberufe müssten attraktiver werden, sagte Gassen. Die gesamten Vergütungsstrukturen müssten geändert werden, weitere Einsparungen durch die Politik seien nicht vertretbar: „Billiger wird es nicht mehr.“ Dem stimmte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, zu. Er fordert zudem neue Wege, um Patienten zu den Ärzten zu bringen. Dabei müssten Notaufnahmen und Hausärzte entlastet werden. Man müsse aus einem Zustand herauskommen, bei dem alle Beteiligten „Angst haben, sich selbst wegzurationalisieren“.

          Othmara Glas
          Volontärin

          Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie leistungsfähig das deutsche Gesundheitswesen ist. Doch die Krise hat auch Schwächen offenbart. Zum Beispiel, dass Gesundheitsämter vielerorts noch mit Faxgeräten arbeiten. Deutschland müsse jetzt bei der Digitalisierung handeln, sagte Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité. Länder wie China oder auch private Anbieter wie Amazon Care zeigten, wie die medizinische Versorgung der Zukunft aussehe. „Wenn wir es in den nächsten fünf Jahren nicht schaffen, unser Gesundheitswesen zu digitalisieren, werden das andere für uns tun.“

          Digitalisierung als Chance

          Die Digitalisierung bietet viele Chancen für die medizinische Versorgung in Deutschland. Prozesse können verschlankt, Daten leichter ausgetauscht werden. Telemedizin ist vor allem für den ländlichen Raum interessant, wo es immer weniger Ärzte gibt und die Wege der Patienten immer länger werden. Von Klinikvertretern heißt es, gute Lösungen in der Digitalisierung könnten auch wieder zu mehr Zeit für den Patienten führen. Wie die Digitalisierung von Gesundheitsversorgung aussehen kann, zeigen schon heute deutsche Start-ups. Es gibt Apps, die Alltagshelfer mit Senioren zusammenbringen oder erste Diagnosen zu Krankheitssymptomen abgeben. Da Datenschutz gerade bei sensiblen Gesundheitsdaten eine wichtige Rolle spielt, bieten junge Unternehmer auch Lösungen, um zu vermeiden, dass Ärzte ihren Kollegen beispielsweise Röntgenbilder von Patienten via Whatsapp schicken müssen.

          Ein grundsätzliches Problem des deutschen Gesundheitswesens ist die Aufteilung der Patientenversorgung zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten. Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sieht hier ebenfalls die Politik in der Pflicht. Viele strukturelle Probleme hingen von bestehenden Regeln ab, sagte er auf dem Kongress. Vorschläge, Pflegepersonal oder Apothekern mehr Verantwortung zu übergeben, sieht er hingegen kritisch. „Arbeitgeber wollen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nun mal von einem Arzt, nicht von einem Apotheker.“

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