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Gestapo-Beamter Willy Litzenberg : Von Himmler befördert, für Gehlen verkleinert

  • -Aktualisiert am

Zu brauchen: W. Litzenberg Bild: Wikipedia

Ein Forschungsprojekt bringt ans Licht, wie der ehemalige Gestapo-Beamte Willy Litzenber dank „Tüchtigkeit und Effizienz“ 1957 beim BND unterkam.

          Verschlungene Wege führen zum Bundesnachrichtendienst (BND). Nur selten dürfte die Empfehlung eines Generalinspekteurs der Bundeswehr dazu nötig sein. Und höchstwahrscheinlich nur ein einziges Mal setzte sich ein ehemaliger Häftling der Gestapo, der es bis zum Vier-Sterne-General in der Bonner Republik gebracht hatte, bei den Pullachern für einen früheren Beamten des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) ein, der nach dem gescheiterten Attentat Stauffenbergs auf Hitler als Mitglied der „Sonderkommission 20. Juli“ Widerstandskämpfer verfolgt hatte. Gerhard Sälter, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der „Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes“ (UHK/BND), ist auf einen solchen Fall aus dem Jahr 1957 gestoßen.

          Im Zuge des Forschungsprojekts werden nun Teile der Personalakte von Willy Litzenberg zugänglich: Der im Jahr 1900 geborene Kriminalbeamte, seit 1933 NSDAP-Mitglied, war Referatsleiter im RSHA, zuständig für die „Rechtsopposition“, zuletzt als Oberregierungsrat und SS-Obersturmbannführer. Manche seiner Personalunterlagen – das eine oder andere ist bis 2037 oder bis 2044 gesperrt, der ein oder andere Name geschwärzt – konnte diese Zeitung „in den Räumlichkeiten des BND in Pullach“ (so der Bescheid zum Antrag auf Akteneinsicht) einsehen.

          Gegen eigenen Willen versetzt

          Adolf Heusinger, der höchste Soldat der Bundeswehr, wandte sich am 25. Februar 1957 an den BND. Als Anlage leitete er ein Schreiben von Marianne Pfahl weiter. Sie setzte sich für einen Mann ein, „dem seit Jahren Unrecht geschieht“: Willy Litzenberg. Ihn kenne sie seit 1928, als beide Kriminalkommissare in Berlin waren: „1933 wurde ich, weil ich dem Nationalsozialismus nicht genehm war, von Berlin versetzt. Herr Litzenberg wurde aufgrund seines guten Kommissarexamens gegen seinen Willen zum Geheimen Staatspolizeiamt versetzt“. Nach dem 20. Juli 1944 habe Litzenberg ihr und „vielen anderen, auch unter Einsatz seines eigenen Lebens, geholfen“. Daher möge Heusinger ihn beim BND unterbringen.

          Adolf Heusinger nahm dazu im Anschreiben Stellung: „Litzenberg hat seinerzeit auch mich bei der Gestapo vernommen. Er hat sich bei dieser Vernehmung – und ich habe ihm dies für seine Spruchkammerverhandlung seinerzeit bescheinigt – ausgesprochen vernünftig benommen und hat in meinem Fall zweifellos wesentlich dazu beigetragen, dass ich aus den Fängen der Gestapo wieder herauskam.“ In den vergangenen Jahren habe er vergeblich versucht, ihm irgendwo eine Stelle zu verschaffen. Vielleicht bestünde nach Rücksprache mit Präsident Reinhard Gehlen „die Möglichkeit einer Verwendung“ Litzenbergs im BND.

          Der Präsident, der Heusinger aus der gemeinsamen Generalstab-Zeit im Zweiten Weltkrieg und durch eine längere gemeinsame Tätigkeit bei der „Organisation Gehlen“ (dem Vorläufer des BND) gut kannte, antworte am 11. April. Er habe angeordnet, die Personalie wohlwollend zu prüfen: Litzenberg habe „den Ruf eines vorzüglich befähigten Beamten. In der Nachkriegszeit hat ihn offenbar ein recht hartes Schicksal getroffen.“ Allerdings räumte der BND-Chef ein: „Stößt schon die Anstellung nachgeordneter Beamter der früheren Staatspolizei auf erhebliche Schwierigkeiten, so ist nach dem Wesen der Sache die Anstellung eines Beamten, der sich früher in hervorgehobener Stellung befand, ein ausgesprochenes Politikum.“ Litzenberg hatte unter anderem die Festnahme des Ende Juli 1944 verschwundenen Reichskriminaldirektor Arthur Nebe verantwortet. In der Serie „Glanz und Elend der deutschen Kriminalpolizei“ hatte der „Spiegel“ darüber im April 1950 berichtet. Daher stellte Gehlen für Litzenberg auch nur eine Beschäftigung „in einem losen Status“ in Aussicht, also keine Planstelle.

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