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Mordfall Lübcke : Das Übel an der Wurzel bekämpfen

Trauergottesdienst für Walter Lübcke in der Martinskirche im Juni 2019 Bild: dpa

Es bleibt zu hoffen, dass Geständnis und Verfahren wirken. Menschenverachtende Hetze muss bekämpft, das Vertrauen in den offenen Diskurs gestärkt werden.

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          Das Geständnis des Angeklagten Stephan E. dürfte der fürchterlichen Wahrheit im Mordfall Lübcke recht nahekommen, wie sie schon in der Anklageschrift und in der Vernehmung durch die Polizei aufschien. Der Täter hofft darauf, im Fall der Verurteilung wegen Mordes nach einer langen, aber absehbaren Zeit hinter Gittern wieder in Freiheit zu gelangen. Für die Familie des aus nächster Nähe erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten ist es wichtig, die schmerzliche Klarheit zu haben, was genau geschah.

          Und für das Gemeinwesen? Prozesse und Strafen sind erst einmal individueller Natur. Angeklagte, denen ein konkreter Schuldvorwurf gemacht wird, stehen vor Gericht. Aber ein Verfahren strahlt natürlich aus, insbesondere wenn es um einen politischen Mord geht, wie es ihn in dieser Republik so noch nicht gegeben hat. Gab es noch weitere Hintermänner und Sympathisanten?

          Es bleibt zu hoffen, dass auch ein solches öffentliches Verfahren und das durch den neuen Verteidiger des Angeklagten vorgetragene Geständnis ähnlich denkende Menschen mit vergleichbarer Biographie erreichen und eine Wirkung hinterlassen. Es ist schließlich ein erheblicher Schritt von Fremdenfeindlichkeit und Politikerhass zum kaltblütigen Mord. Aber an den Wurzeln muss das Übel beseitigt werden, etwa bei menschenverachtender Agitation im Netz. Gestärkt werden muss dagegen das Vertrauen in den offenen Diskurs des pluralen Rechtsstaats.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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