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Bedford-Strohm hört auf : Seine Bilanz ist gespalten

Begeisterungsfähig: der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Bild: dpa

Sein Fleiß und seine Begeisterungsfähigkeit zeichneten ihn aus. Doch manchmal schoss Heinrich Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland übers Ziel hinaus. Sein Verzicht auf eine abermalige Kandidatur ist konsequent.

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          Der EKD-Ratsvorsitz ist ein schmuckes Amt, das innerkirchlich allerdings erst zur Geltung kommt, wenn der Inhaber zugleich einer Landeskirche vorsteht. Insofern ist der Entschluss von Heinrich Bedford-Strohm folgerichtig, 2021 nicht wieder anzutreten. Denn seine Amtszeit als Bischof in Bayern endet bald darauf. Seine Bilanz an der EKD-Spitze ist gespalten: Bedford-Strohm hat sich mit seinem Fleiß und seiner Begeisterungsfähigkeit von der Selbstgenügsamkeit abgehoben, die in beiden Kirchen um sich greift.

          Er schoss jedoch manchmal auch übers Ziel hinaus: Seine Hoffnung, aus dem Reformationsjubiläum werde eine „Generation 2017“ erwachsen, blieb ebenso ein Trugbild wie die Erwartung ökumenischer Durchbrüche.

          Auch politisch mangelte es Bedford-Strohm bisweilen an Realismus. Insbesondere in der Migrationspolitik bezog er legitime Gegenargument nie richtig mit ein. In der EKD-Meinungsblase stieß er damit kaum auf Widerspruch, unter den Mitgliedern schon eher. Der Frage, welchen Anteil der politische Kurs an den Austrittszahlen hat, ist die Kirche bisher nicht nachgegangen.

          Zuletzt nutzte sich Bedford-Strohm wegen seines Eigensinns auch intern ab. Kurz vor Ende seiner Amtszeit soll nun über Einschnitte beraten werden, von denen sich Bedford-Strohm immer ferngehalten hat. Mit den verhedderten Strukturen im Protestantismus darf sich bald sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin herumplagen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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