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Gesetzeslücke : Das Geschäft mit den Scheinvaterschaften

Vater und Kind auf einem Spielplatz (Archivbild) Bild: dpa

Wenn ein Sozialhilfeempfänger angibt, er sei der Vater des Kindes einer ausländischen Frau, bekommt sie ein Aufenthaltsrecht und Sozialleistungen. Daran verdienen auch Notare mit.

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          Die Behörden wissen genau, was geschieht. Aber weil ihnen rechtlich die Hände gebunden sind, müssen sie mitansehen, wie mit der Anerkennung angeblicher Vaterschaften Missbrauch betrieben wird. Beispiele dafür gibt es aus dem gesamten Bundesgebiet. In Bremen geht es um einige hundert Personen aus Ghana und Nigeria. In Berlin ist die Methode unter Vietnamesen verbreitet. Aus Nordrhein-Westfalen wird über Familienverbände aus Balkanstaaten berichtet, deren Asylantrag zuvor wiederholt abgelehnt wurde. Doch wenn dann plötzlich ein deutscher Vater für ein Baby präsentiert wird, erhält dieses „Ankerkind“ die deutsche Staatsangehörigkeit – und die Familie muss nicht in ihr Heimatland zurückkehren, sondern erhält in Deutschland Aufenthaltsrecht und Sozialleistungen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Denn zum System der Scheinvaterschaften gehört es, dass der anerkennende Vater selbst ebenfalls von staatlichen Transferleistungen lebt und sein angebliches Kind vermutlich nie unterhalten wird. Das Geld fließt stattdessen in die entgegengesetzte Richtung. Die Behörden nehmen an, dass die Männer für die Anerkennung der unehelichen Vaterschaft mehrere Tausend Euro in bar erhalten. Die Zeugungskraft mancher dieser Männer ist zumindest auf dem Papier groß. Im Jobcenter Mönchengladbach kennt man einen Mann, der 14 Vaterschaften anerkannt hat, und einen, bei dem es sogar 15 sind.

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