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Nach heftigem Streit : Gescholtener Student fordert von Palmer Entschuldigung

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer Bild: dpa

Im Streit zwischen Tübingens Oberbürgermeister und einem Studenten über eine heftige Auseinandersetzung gibt es zwei Versionen der Geschichte. Palmer wirft dem Studenten vor, zu lügen – und der will, dass der Grünen-Politiker sich entschuldigt.

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          Boris Palmer geriet am 13. November nicht zum ersten Mal in einen heftigen Streit mit Bürgern. 2015 gab es schon einmal Auseinandersetzungen mit Windkraftgegnern im Schwäbischen Wald. Im August 2014 gab es einen Streit mit dem Wirt auf der Schwäbischen Alb, der sich geweigert hatte, Palmer eine Apfelschorle auf der Terrasse zu servieren. Nun kam es zum Streit mit dem Studenten Arne Güttinger.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der soll Palmer im Vorbeigehen zugerufen haben: „Ach nee, auch der noch.“ Palmer soll wegen dieser Aussage und dieses Fehlverhaltens nach einem wortreichen Streit seinen Dienstausweis gezogen und auf seine Funktion als Oberbürgermeister und Leiter der Ortspolizeibehörde hingewiesen haben. Er soll dann versucht haben, eine lautstarke Aussage des Studenten als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. Güttinger weigerte sich daraufhin, seinen Personalausweis zu zeigen. Der Streit eskalierte weiter und Palmer fotografierte den Studenten.

          Wer ist Täter, wer Opfer?

          Zur Schilderung von Palmers Verhalten gibt es zwei Zeuginnen, sie schilderten das Auftreten des Grünen-Politikers als „laut, aggressiv“ und „extrem befremdlich“. In einem Leserbrief im „Schwäbischen Tagblatt“ wirft Palmer dem Studenten und dessen Freundin nun vor, gelogen zu haben. „Die Aussagen des Delinquenten und seiner Freundin sind gelogen. Das TAGBLATT ist auf der falschen Seite.“

          Arne Güttinger bestreitet, den Ablauf des Abends falsch dargestellt zu haben. In einer Stellungnahme, die FAZ.NET und dem „Schwäbischen Tagblatt“ vorliegt, fordert er Palmer nun auf, die unwahren Behauptungen zurückzunehmen: „Boris Palmer behauptet falsche Tatsachen und tut selbst das, was er mir und den Zeuginnen vorwirft – er verkehrt Täter und Opfer“, schreibt Güttinger.

          Mehrfach habe er den Politiker darum gebeten, ihn in Ruhe zu lassen. „Palmer handelte äußerst respektlos, zeigte keiner Reaktion und war in keinster Weise unseren Aussagen zugänglich“, schreibt der Student. Dem Grünen-Politiker fehlten „Reflexionsbereitschaft“ und „Empathie“. Wenn Palmer seine unwahren Behauptungen zurücknehme, so der Student, werde er mit dem Oberbürgermeister ein Gespräch führen, auch über dessen „Law-And-Order-Autoritarismus“.

          Auf den Leserbrief-Seiten des „Schwäbischen Tagblatts“ – der Tübinger Lokalzeitung, die sich seit Jahren heftige Auseinandersetzungen mit dem Oberbürgermeister liefert – bekommt Palmer viel Zuspruch. Er wird dafür gelobt, der „Laissez-faire-laissez-allez-Gesellschaft“ etwas entgegenzusetzen. Dass die Zeitung überhaupt über den Vorfall berichtet, wird als „lächerlich“ bezeichnet und mit dem Niveau der Zeitung „Bild“ verglichen. Ein Leser schreibt, der Vorfall sei nicht relevant, Palmer habe eben, das sei bekannt, eine „überdurchschnittliche intellektuelle und eine unterdurchschnittliche emotionale Intelligenz“.

          Kretschmann: „Ich bin nicht ihr Papa.“

          Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der Palmer zu seinen engeren politischen Weggefährten zählt und sich von ihm immer wieder Rat holt, musste sich am Dienstag fragen lassen, ob da ein grüner Oberbürgermeister „aus dem Ruder laufe“. Er wurde auch gefragt, ob er Palmer telefonisch mal zur Ordnung gerufen habe, schließlich, so eine Journalistin, rufe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ja auch mal „bei Putin“ an.

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